Baroness Petra, das Abschreiberbiest

Es war klar, dass es irgendwann wieder einen Anlass zum Bloggen geben wird, aber der ist jetzt doch heftig. Falls in der „Badischen Zeitung“ in den kommenden Tagen jemand Wegweisendes über die Affäre „Googleberg“  zutage fördert oder das Vorliegende weise kommentiert – im gleichen Blatt war am Montag ein Text gedruckt, der nahezu zu 100 Prozent als Plagiat aus mindestens fünf Geschichten daher kam. Das hat der Baron mit seiner Doktorarbeit nicht geschafft, Reschpekt.

Die Rede ist von Petra Kistlers Text „Das Schwiegerbiest“ (leider seit Mittwoch, 23.2., nicht mehr anklickbar), der sich mit der bösen Mutter des Ehepartners beschäftigt und gleich zur Einleitung heftig den Guttenberg macht.

Denn auch hier sind die ersten zwei Absätze komplett kopiert – aus einem Spiegel-Text des Jahres 2006, genannt „Der Teufel im Haus„, geschrieben von Rafaela von Bredow. Nur der zweite Witz am Ende des zweiten Absatzes ist nicht aus diesem Artikel. Er stammt aus einem Text des „Tagesspiegels“ von Sylvie-Sophie Schindler und wird in der „BZ“ statt Lenin Churchill zugeschrieben.

Es folgen punktgenau übernommene Formulierungen aus dem Spiegel („Erwählte ihres Sohnes“ beim Film „Das Schwiegermonster“ mit Jane Fonda) und Fakten über Kaiserin Sissi, die wiederum satzweise geklaut sind, diesmal aus dem „Focus„). Von den folgenden sechs Schwiegermonster-Synonymen sind „Besen, Giftzahn, Meckerliese“ in der gleichen Reihenfolge wieder aus dem „Spiegel“ geklaut, es folgt eine Textpassage aus dem „Tagesspiegel“, die sich dort so liest:

…zeigt auch eine Umfrage der Gesellschaft für Erfahrungswissenschaftliche Sozialforschung (Gewis): 28 Prozent aller verheirateten Frauen gaben an, dass ihre Partnerschaft ernsthaft unter der Schwiegermutter leide. Nur über Kindererziehung und Geld wird in deutschen Ehen noch häufiger gestritten.

und in der „BZ“ so:

Das zeigt auch eine Umfrage des Hamburger Gewis-Instituts: 28 Prozent aller verheirateten Frauen gaben an, dass ihre Ehe ernsthaft unter ihre Schwiegermutter leidet. Nur über Kindererziehung und Geld wird in deutschen Ehen noch häufiger stritten.“

es folgt die „Berliner Morgenpost„:

Die meisten hören oder sehen sie ein- bis zweimal im Monat (35,3 Prozent) beziehungsweise ein- bis dreimal in der Woche (30,1 Prozent). Das hat eine Umfrage der GfK Marktforschung im Auftrag der „Apotheken Umschau“ ergeben. Jeder siebte (14 Prozent) spreche seine Schwiegermutter sogar fast täglich – am Telefon oder persönlich.

und die „BZ“:

Die meisten hören oder sehen ihre Schwiegermutter ein- bis zweimal im Monat (35,3 Prozent) beziehungsweise ein- bis dreimal in der Woche (30,1 Prozent). Das hat eine repräsentative Umfrage der GfK Marktforschung ergeben. Jeder siebte spricht seine Schwiegermutter fast täglich – am Telefon oder persönlich.

So geht das bis ans Ende des Textes: Eine fröhliche Collage aus „Tagesspiegel“, eine geschickte Formulierung aus der Münchner „Abendzeitung“ (die Schwiegermutter als „sexueller Bremsklotz“), ein paar evolutionäre Erkenntnisse aus dem „Spiegel“, anschauliche Beispiele aus der „Abendzeitung„, die „Nürnberger Zeitung“ kommt noch ins Spiel, dann „Die Welt„, die „Abendzeitung“ und am Ende ist nicht mal der Schlusssatz selbst erfunden. Er stammt vom Portal „news.de“ und lautet 1:1 bei der BZ: „Die radikalste Lösung fand Ruth Gall für sich selbst: Sie habe sich von ihrer Schwiegermutter ’scheiden‘ lassen – mit deren Sohn ist sie weiter glücklich verheiratet.“

Ob man sich von Zeitungen, die ihren Lesern abgestandene Einleitungen aus dem Jahr 2006 für 1,60 Euro andrehen, auch scheiden lassen sollte, kann jeder Leser für sich entscheiden. Und altbiblische Steine sollen hier auch nicht geworfen werden – zumal sicher jeder, der einmal wissenschaftlich oder als Journalist unterwegs war, sich schon die eine oder andere Formulierung oder Idee eines Kollegen zu eigen gemacht hat, noch dazu unter Zeitdruck. (Das belegt übrigens auch die Recherche zu diesem Eintrag, denn bereits die Vorbilder vom „Schwiegerbiest“ weisen, ähem, Parallelen auf.) Aber ein zu annähernd 100 Prozent zusammengeklauter Text ohne eigene Erkenntnis? Das dürfte schwer zu toppen sein. Zumal es nicht das erste Mal bei dieser Autorin war:

https://rudiraschke.wordpress.com/2007/02/02/wie-sich-lokalzeitungen-selbst-abschaffen

Soll zumindest keiner denken, das merkt niemand.

P.S., 18.50 Uhr: es scheint nicht der einzige Plagiats-Fall in den jüngeren Veröffentlichungen der Baroness gewesen zu sein. Auf Facebook haben sich ruckzuck weitere überregionale Themen von ihr mit den dazugehörigen Links aus Tagesspiegel, Spiegel und Zeit eingefunden. Danke an Klaus für die Hinweise, demnächst mehr. Weiß nicht, wie’s Euch geht, mich macht sowas saumäßig wütend.

Advertisements

4 Gedanken zu “Baroness Petra, das Abschreiberbiest

  1. Was mich noch interessieren würde, wären die evtl. anfallenden Lizenzgebühren. So weit ich weiß gibt es zumindest bei der dpa Preise für die „Zweitverwendung“ von Textpassagen.

  2. Das ist alles nicht schön. Bekannt sein dürfte aber auch, dass P.K. nicht nur abgeschrieben hat. Warum sie jetzt so fertig machen? Sie hat ihre Lektion inzwischen garantiert gelernt.Eine Chance hätte sie verdient.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s