Das war 2008

Klar, dass oft die Negativ-Highlights hängen bleiben, deshalb starte ich meinen kleinen Jahresrückblick am besten mit dem Song, den ich dieses Jahr am meisten gehört habe. Es ist das rührende „Standing next to me“ von den Last Shadow Puppets, ein Nebenprojekt von „Arctic Monkeys“ und „Rascals“. Wie immer eine Empfehlung auf den kostbaren „Hits des Jahres“-Mischungen von Dr. Rock.

 

Womit wir bei der ohne-Anspruch-auf-Vollständigkeit-Zusammenstellung des abgelaufenen Jahres wären, auf geht’s:

 

Lokale Nervensäge des Jahres: Freiburgs Theater-Intendantin Barbara Mundel – für fortgesetztes Phrasenverbreiten mittels Dachgeschoss-Bannern, schmierige Lobby-Aufrufe zur Lemming-Abstimmung beim hiesigen Beteiligungshaushalt und permanenter Kapitalismuskritik-Anbiederung an Bettler, Wagenburgler etc. – von einem mit 13 Millionen Euro bezuschussten Dickschiff. Mundels Geldverbrennungs-Highlight der Saison: Im Juni wird eine Berliner Künstlergruppe angeheuert, die ihr im Hochsommer eine Sauna vors Haus zimmert. Die BZ berichtet in einer Ernsthaftigkeit, die auch mit subventioniertem Schneemannbau im Februar kein Problem hätte.

Beste Magazine: Vanity Fair US, Monocle, Arena UK. 

TV-Highlight: Ganz klar die fast durchmachte Nacht zur US-Wahl und der Sieg des Charisma über die Ortsvereins-Karriere.

Tragischste TV-Figur: Harald Schmidt in „Das Traumschiff“ und in der Schmidt-Parodie von „Switch Reloaded“.

Schlimmste Sendung: „Mein Restaurant“ (Vox)

Lieblings-Kolumnisten (in Klammern Vorjahres-Platzierung) : Harald Martenstein, zeitmagazin (1.), Julia Karnick (-), Brigitte

Mein Peinlicher Lieblingsintellektueller: Matthias Matussek, spiegel.de

Hotelüberraschung 2008: Der herrliche Schottenkaro-Style im östlichen  Waldhotel Aue:

Schlimmste Geschmacksverirrung: Gewürztraminer mit Ananassaft, Ruländer mit Banane, Spätburgunder mit Cranberry und Chardonnay mit Mango (alles Mix-Verklappungen, mit denen die „Alte Wache“ des badischen Weines beim Weinfest 2008 für Leberknurren sorgte)

Schönste Programmkino-Reihe: „Psychoanalytikerinnen stellen Filme vor“, Kommunales Kino Freiburg.

Überfälliger Comeback- und Gentrification-Stadtteil 2009: Herdern, was sonst? (Bitte dringend ein nettes Café an den Kirchplatz! Und Daumen hoch für den supernetten Wirt des „Alt-Herderns“ in der Sandstraße)

Größte Nightlife-Freude: The Great Räng Teng Teng, Grünwälderstraße, Freiburg. Lustiger Laden, vor allem mit der Hoffnung verbunden, dass alternative Bar-Entwürfe und Konversionskneipen in der Innenstadt möglich sind. Wunderbar platziert zwischen Markthalle und dem Horror-Keller Tacheles.

Größtes Nightlife-Missverständnis: Schneerot, Am Münsterplatz, Freiburg. Höchst zeitgemäßes Ambiente, komplett missglückte Eröffnung – Publikum und Musik im Stil der „Parabel“ der späten 80er (Lisa Stansfield trifft auf Muckibuden-Horst)

Nervigster Hit: The Killers, „Human“. Beim krampfhaften Versuch, die größte Band der Welt zu werden, schrecken die Jungs vor nichts zurück.

Grösstes Textproblem: Wieviele Menschen außer mir hören bei dieser Reamonn-Single auch die Titelzeile „The Asshole Child“?

Persönliche Design-Entdeckung 2008: Die britische Tapetenmanufaktur „Cole & Son

69-12147

Schöne Live-Erlebnisse: Joe Jackson beim ZMF, Josef Hader im Großen Haus.

Traumjob des Jahres: „Treffen Sie die Kritiker, bevor die Sie treffen“ ist das Motto zweier britischer Restaurant-Ikonen, die die Seite gewechselt haben und jetzt schöne Hotels und Lokale vor Eröffnung coachen: http://www.aprivateview.eu.com

Sonst noch interessant:

Rachel Johnson gewann in diesem Jahr den „Bad Sex Award“ für besonders missglückte literarische Erotik. Sie ist die Schwester des Londoner Bürgermeisters Boris Johnson.

Pulling no Punches“, die Memoiren von John Prescott, sind das am häufigsten zurück gelassene Buch in britischen Hotels (Auswertung von 7.000 Exemplaren durch die Kette travelodge, John Prescott war Vize-Premier von Tony Blair)

ein Fall für „CSI: Freiburg“: die Unfallserie, bei der ausschließlich Frauen in einer Tunnelkurve der B31 geradeaus fahren.

Userbeteiligung erwünscht: Was fehlt, was wurde unterschlagen, was waren Eure Ups and Downs 2008? Bitte kommentieren! Und: Guts Neues allen zusammen!

Nachtrag, 4.1., 20.30 Uhr: Auflistung von Dingen, Personen und Momenten, die das Jahr unterhaltsamer machten und die ich noch vergessen habe:

– die neue Jazzanova-CD

– Bill Bufords Buch „Hitze“

– Der Frank-Drebin-Gesichtsausdruck, mit dem der US-Präsident dem ersten fliegenden Schuh ausweicht

– David Weigend und der Nightlife-Guru

– „Californication“ (RTL2)

– München

– Knud Bielefeld, Hobby-Namensforscher (sic!)

– Die Wiederbegegnung mit schönen Klassikern auf DVD, allen voran „Die Nacht vor der Hochzeit“ von George Cukor und „Es geschah in einer Nacht“ (Frank Capra).

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6 Gedanken zu “Das war 2008

  1. Ganz klar: Vanity Fair US ist deplatziert, hab das Abo gekündigt. Eine Zeitschrift zum Prius – im Heft sieht es aus wie in Leonardo di Caprios Gehirn. Wäre ohne Hitchens komplett überflüssig. Trotzdem gut, dass das Blatt existiert, denn schließlich zahlt es wie auch in den vergangenen 83 Jahren die Verluste beim immer großartigen New Yorker.

    Traumjob des Jahres: Profiaufreißer mit Spesenkonto bei Deinem Exarbeitgeber.

    TV-Highlight: Nicht die Oscars, sondern die Golden Globes. Die waren zwar scheißöde, aaaaaaber sonst hätte ich niemals Don Rickles kennengelernt: http://de.youtube.com/watch?v=8owv5YjHfJA

    Bestes Liveerlebnis: The Streets in Stuttgart. Sogar vor halbtotem Publikum ist Mike Skinner sensationell.

    Schönste Reiseüberraschung: Lissabon ist sogar noch schöner als ich dachte.

  2. also: allein hitchens‘ wohlbegründete these, dass frauen keinen humor hätten und die komplett humorlosen weiblichen leserbriefe als reaktion darauf, sind das abo wert. und wenn VF eine „green edition“ macht, mit allem drin von julia roberts bis zum unbekannten superbrain, ist das schon großer glamour mit hirn.

    das mit dem traumjob täuscht, ist hart erarbeitetes vergnügen, aber einer muss den job ja machen 😉

    um die streets beneid ich Dich, lissabon finde ich ebenfalls schön, aber für das geballte straßenelend dort bin ich offen gesagt zu zartbesaitet.

  3. Ganz klarer Widerspruch bei „Mein Restaurant“: Die mehrstündige Quälerei von ProSieben, bei der Uri(n) Geller „Ufos und Aliens“ versprach, war eindeutig der gelungenste Versuch die Menschheit zu verblöden. Sollten Außerirdische das gesehen haben, sie würden spätestens jetzt die Vernichtung der Erde als ernsthafte Option in Betracht ziehen.

    Den Titel „Nervensäge des Jahres“ verleihe ich an die TSG 1899 Hoffenheim. Nicht etwa weil die einen Bombenfussball spielen, sondern wegen einem Höchstmaß an scheinheiligem Understatement-Getue (immerhin wurden weit mehr als 100 Mio. Euronen investiert) und miserabler Sympathie-Gewinnungs-Propaganda (z.B. Charly-Neumann-Gedenkplakate am letzten Spieltag 2008).

    Sportliches Highlight: Eindeutig der Auftritt der „Tommy-the-dog-Allstars“ 😉 (liegt damit kurz vor dem bombigen Fußball den die TSG Hoffenheim spielt).

  4. Zitat:[Und wenn VF eine “green edition” macht, mit allem drin von julia roberts bis zum unbekannten superbrain…]

    Volker Finke macht eine „Green Edition“ mit Julia Roberts und Super-(Vofi-)brains!? 😉

  5. oh mann, VF kann doch auch Vanity Fair heißen – war ich jetzt arg unsensibel bei der wahl der abkürzung zum thema? entschuldige mich hiermit herzlich.

    ach ja, uri geller ist echt an mir vorbeigezogen, das war schon beim blick ins tv-programm klar. gewertet wurden nur sendungen, denen man mindestens fünf folgen lang auf den leim gegangen ist…

  6. Haben bei „Mein Restaurant“ nicht die Münchner gewonnen? Wahrscheinlich hat Dir dort nur das Essen nicht geschmeckt, Du alter Schneiker! Deswegen wurde es zum TV-Flop des Jahres auserkoren.

    VF könnte natürlich auch Vanity Fair heißen! Da in Deiner Auflistung aber mal so gar kein Fußball vorkommt, muss aber der „Ex“ gemeint sein. „Rudis Rückblick“ ohne Fußball – das geht nicht!

    Und Uri – naja, 5 Folgen hat davon hoffentlich niemand gesehen?

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