Hässliche Bauten in Freiburg (Teil 1)

Unsere Heimatstadt schickt sich tatsächlich an, europäische Kulturhauptstadt 2020 werden zu wollen. Kampagnenchef ist Szene-Faktotum Atai Keller, als OK-Chef künftig der Beckenbauer der Bächle. Letzterer wollte einst das Olympiastadion notfalls von Terroristen beseitigen lassen, um an einen Arena-Neubau und sein Event, die WM, zu kommen. Und das Oly ist nicht eben hässlich. Was das mit Freiburg als Kulturhauptstadt zu tun hat? Nun, auch Atai Keller könnte ein paar Abrissbirnen losschicken, um Vorzeigbares für sein Kultur-Highlight zu schaffen – gerade in jüngster Zeit mauert die Stadt ambitionsfreie Bauten von erlesener Hässlichkeit. Praktisch kein namhafter überregionaler Architekt hat zuletzt hier gebaut. Es klingt ungemütlich für die Schöngeister-Stadt, aber an zentralen Orten schaut Freiburg nicht wie der Nabel der Welt aus, sondern wie der Hintern. Ein paar Beweise will ich in dieser Serie sammeln, los geht’s mit einem besonders scheußlichen Verbrechen, dem sogenannten Komturm.

Was sehen wir? Eigentlich alle Formen, die ein Haus beherbergen kann: Wer aus der Habsburgerstraßen-Unterführung Richtung Zähringen kommt, findet Rundungen, Scharfkantiges, Dreiecke und ein paar rechtwinklige Kistchen, die aufs Hochhaus obendrauf getackert wurden. Stadteinwärts sieht man plastikverschalte Parkdecks, die an ein Wolkenkratzerle lehnen. Die Farbe ist feinstaubgrau/ weiß.

Wer baut so was? Als Architekten lassen sich mit viel Aufwand „Lehmann & Partner“ ergoogeln. Es könnte aber auch von den Bauherren selbst mit nachträglicher Hilfe von ein, zwei Ingenieuren und Statikern gestaltet sein. Man stellt sich einen „drei-Männer-gehen-auf-ein-Bier“-Abend vor: Ein Bierdeckeltower wächst mit Aschenbechern, leeren Zigarettenpackungen oder Streichholzschachteln Richtung Kneipendecke. Handyfoto und ab an den Bauzeichner.

Was macht es so schlimm? Das Gebäude steht nicht in einer finsteren Brache, sondern an einer zentralen Stadteinfahrt. Wer von Freiburg-Nord kommt und sich auf ein Wochenende mit Gotik, Gässle und Gutedel freut, muss sich erschrocken fragen, ob er in Pforzheim oder Magdeburg gelandet ist. Diese Verwirrung nutzt übrigens ein Ampelblitzer hinterm Tower für gute Geschäfte.

Gibt es nichts Gutes daran? Befreundete Rückgrat-Kundinnen sprechen von der wunderbaren Aussicht. Eine Sensation ist das bei zwölf Stockwerken aber nicht. Ebenfalls halbwegs gelungen ist das Namen gebende Wortspiel, bezogen auf den Komturplatz nebenan.

Hat niemand das Bau-Fiasko kommen sehen? An einen wochenlangen Diskurs in Kreisen von Bürgervereinen oder Kulturvermittlern kann ich mich nicht erinnern. Aber schon die ersten Mieter der Kellerdisco sahen das Haus wohl als dröges Aschenputtel: Sie nannten ihren Laden „Cinderella“.

Wenn dieses Gebäude ein Auto wäre, wäre es ein… Fiat Multipla.

Für Katastrophentouristen: Komturm, Ecke Waldkircher Straße/ Karlsruher Straße
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3 Gedanken zu “Hässliche Bauten in Freiburg (Teil 1)

  1. Amüsant ist auch immer, mit welchem Vokabular die Architekten, Projektentwickler und Mitglieder der Stadtverwaltung auch die grauesten Klötze der Öffentlichkeit verkaufen: „Städtebauliches Ausrufezeichen“, „Gebäude mit Signalwirkung für das Sowiesoviertel“ oder „Architektonisches i-Tüpfelchen“. Und lässt sich dann die ganze Stadt über die Hässlichkeit eines solchen i-Tüpfelchens aus, dann heißt es: „Einem Gebäude kann nichts besseres passieren, als dass darüber diskutiert wird“ (frei nach S. Jung, ehem. Leiter Bauordnungsamt Freiburg.)

  2. @ rosaschaf oder blindes schaf?

    Freiburg ist für dich noch nicht hässlich genug, aber warte; eines Tages wenn es zu spät ist, merkst du es vielleicht!

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