Nach uns die Sintflut

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Wenn es eines Tages mal einen alternativen Nobelpreis für die verlogenste Bürgerinitiative der Welt geben wird, dann hat er gute Chancen, nach Freiburg-Herdern zu wandern: Hier sammeln gerade die neuesten Empörungsprofis (Wolfgang Abel) Unterschriften gegen die Bebauung der sogenannten „Pferdewiesen„, die sich ober- und unterhalb der Sonnhalde erstrecken. Fünf Häuser à vier Einheiten will die Stiftungsverwaltung Freiburg dort bauen (Bildmitte links, das grüne Wiesenstück unterhalb der Straße), wenn der Untergang des Abendlandes nicht vorher anbricht. Denn befürchtet wird:

Kinder können nicht mehr naturnah aufwachsen
– Das sensible Tal-Klima wird durch noch mehr Abgase ruiniert
– Die einmalige Aussicht wird verschandelt
– Herdern wird komplett zugebaut, es drohen Flächenfraß, Versiegelung, Quadratmeterverschwendung

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Eigentlich muss man da nicht viel dagegen sagen: Herdern hat noch gut 10 weitere Aussichtsplätze mit öffentlichen Panoramabänkle, die Kinder wachsen im grünen Luxus auf, die Autos von 20 neuen Partien werden dem Klima im Zweitwagen– und SUV-Stadtteil Nummer eins nicht mehr viel anhaben und natürlich leben gerade hier bei uns ums Eck zahllose Menschen, die sich quadratmetertechnisch nicht eben einschränken.

Eigentlich hätten sich die Unterschriftensammler, zwei Psychologen, die Gestaltung des Jammerflyers sparen können, wenn sie sich einfach nur mit Ihrer Adresse zum Anliegen bekannt hätten: Nicht gebaut werden soll an der Sonnhalde 21. Die Bürgerinitiative residiert in der Sonnhalde 19.

Das schrullige Freiburger Gruppenwesen (siehe auch hier) ist um eine bescheuerte Attraktion reicher.

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6 Gedanken zu “Nach uns die Sintflut

  1. …hätten die herren ihr ureigenes interesse auch einfach so formuliert, wenigstens jeder wohnungs- / haus – oder grundstückeigentümer hätte verständnis bzw. würde vielleicht sogar unterstützung zusagen. so aber bleibt das gschmäckle. gute psychologen (?), schlechte taktiker…

  2. Genau, der einfache Satz hätte lauten können: „Wir wollen keine weiteren Nachbarn und keinen Baustellenkrach. Und weil wir nicht doof sind, versuchen wir das gar nicht erst als Öko-Initiative zu tarnen.“ So schaut’s aus.

  3. … vielleicht ist´s aber einfach auch nur so, dass durch die direkte Betroffenheit der Initiatoren erst eine Initiative möglich wird, weil doch sonst keiner mehr den Arsch hochkriegt. Meine Zustimmung jedenfalls bekommt die Bewegung deshalb, weil ich immer noch fest darab glaube, dass man Geld nicht essen kann. Auch in bevorzugter Wohnlage nicht. Auch nicht mit nem SUV….

  4. das verstehe ich jetzt nicht, manu: von geld und SUV kann man nicht runterbeißen, ok (auch wenn geld die eine oder andere warme mahlzeit ermöglicht), aber ist das ein grund, warum die hobby-ökologen in der sonnhalde 19 keine weiteren nachbarn bekommen sollen? als robin-hood-vorkämpfer taugen die dame und der herr jedenfalls nicht.

  5. Lieber Rudi,
    vielleicht hilft es dir beim Verstehen, wenn du dich mal von deiner „keine-Nachbarn-Theorie“ löst und versuchst, die Welt mal etwas weniger materiell zu beäugen. Mach doch mal einen Spaziergang zwischen Betonburgen und kurz danach einen im Wald. Und dann denke nochmal über alles nach.

  6. Soweit ich das verstanden habe, war die Rede nicht von „Betonburgen“, sondern von fünf Häusern à vier Einheiten…Weiterhin beachte man, dass an dieser Stelle momentan kein Wald steht, sondern nur etwas Gras. Natürlich ist es sehr angenehem, direkt hinter den Häusern eine Wiese zu haben, aber über die Straße rüber gibts ja schon die nächste 😉

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