Beamtenfraß

eu-teig.jpg

Wer die Sorgen der EU schon immer etwas unheimlich fand und den Spott darüber mäßig originell, hat ja recht. Heute erreichte mich jedoch in einem Newsletter die neue Verordnung zum Schutz der Marke „Neapolitanische Pizza„. Da kommt man dann schon auf den Gedanken, sich langsam mal um das Logo für „Brüsseler Schwachsinn“ zu bemühen. Die Zusammenfassung liest sich so:

Die `Pizza Napoletana` ist eine „kreisförmige Backware mit variablem Durchmesser von höchstens 35 cm mit erhabenem Teigrand (cornicione) und mit Belag bedecktem Inneren. Das Innere ist 0,4 cm dick, wobei eine Toleranz von +/- 10% zulässig ist, der Teigrand ist 1-2 cm dick. Die Pizza ist insgesamt weich und elastisch und lässt sich leicht wie ein Buch zusammenklappen.“Zum Belag wird ausgeführt: „[…

] mit einem Löffel werden in die Mitte der Teigscheibe 70-100 g geschälte und zer-kleinerte Tomaten gegeben, mit einer spiralförmigen Be-wegung wird die Tomatenmasse auf der ganzen Innen-fläche verteilt, mit einer spiralförmigen Bewegung wird Salz auf die Oberfläche der Tomaten gegeben, auf gleiche Weise wird eine Prise Oregano verteilt

Mal abgesehen davon, dass die Pizza aus Neapel im Gegensatz zur römischen eben nicht weich und elastisch, sondern knusprig und brüchig sein soll: Zu dieser Meldung gehört ein umfangreicher Paragrafentext, der das schützenswerte Logo des Fladens mit einer Farbskala für das Grün des Basilikumblättchens und das Gelbgrün der Basilikumsblättchenäderung definiert. Bin gespannt auf Stoibers erste Stammelrede zur Entbürokratisierung der europäischen Holzofenverordnung.

Das ganze Verordnungselend hier

(das Foto stammt von der gleichnamigen Pizzeria in Schwerte, die mit dem Bürokratengebäck aus Belgien nichts zu tun hat)

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5 Gedanken zu “Beamtenfraß

  1. danke für den link, das hätte ich jetzt überlesen. bin nach einem taz-kauf vergangenen montag wieder mal für ein jahr kuriert von der lektüre. aber auch für nicht-fans von kutteln, geschmortem etc.: das buford-ding sollte man lesen – wieder mal der x-te beleg dafür, dass der beste journalismus mit den ambitioniertesten reportern halt doch aus den USA kommt.

  2. „wieder mal der x-te beleg dafür, dass der beste journalismus mit den ambitioniertesten reportern halt doch aus den USA kommt.“

    Und was ist mit Toni Nachbar?

  3. tonis alltägliche reich-ranicki’schen anwandlungen sind aller ehren wert.

    wer allerdings in sc-berichterstattungen worte wie „…es dünkt…“ in den mund nimmt (siehe letzten sonntag), gehört mit einem nassen lappen abgewatscht.

  4. da muss ich mich jetzt aber hochoffiziell distanzieren;-) ich mag den toni und seinen schrulligen stil. das „dünkt“ passt scho zu ihm. einigen wir uns auf ein feuchtes zewa…

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