Dichtung und Wahrheit auf schwedisch

schwedinnenmobel.jpgIch gehöre nicht zu den Menschen, die IKEA lieben: Dazu gibt es in den Labyrinth-Kilometern viel zu wenig Aufregendes und zuviele Trends, die mit zwei Jahren Verspätung von Habitat rüberkommen. Ikea-Möbel sehen eigentlich nur isoliert, bei Freunden daheim, nett aus. Immerhin. Das Lustigste im Laden sind für mich immer die Namen der Kinder, die zur Abholung ausgerufen werden.

Außer Joshuas und Tschackelines fiel mir am Montag die unglaubliche Produktflut von Sicherheitsgerät für Kinder auf. Die fast 30-teilige Serie heißt „Patrull“ (deutsch für „Patrouille“) und dank ihrer Hilfe können Eltern sich in finaler Sicherheit wähnen: Es gibt Rauchmelder, Warnwesten, Türstopper, Herdfernhalter und demnächst sicher noch Bewegungsmelder, Schnullerwarner und Windelpegel – ganz im Sinne der sehr guten Sterntitelstory „Das Verschwinden der Kindheit“, in der es im September darum ging, dass unsere Kinder bald vor lauter Angst keinen Schritt mehr erlaubt kriegen.

Wer so fürsorglich auf Patrull umher streift, dürfte gern an anderer Stelle etwas tugendhafter sein. Auf der Tafel im sogenannten Restaurant lese ich sinngemäß:

Lieber Gast, warum wollen wir, dass Du Dein Geschirr selbst zurück bringst? Wir bei Ikea halten die Preise im Restaurant niedrig, wenn Du mithilfst. Dazu gehört auch das Einräumen ….“

Da hat’s mir dann gereicht mit diesem Besuch. Liebes Ikea, wenn Du mich als Kunde zurückgewinnen willst, dann sei wenigstens einmal ehrlich. Der richtige Wortlaut sollte heißen:

Lieber Gast, wir lassen jetzt mal die dusslige Duzerei und behandeln Dich nicht mehr wie einen Studenten. Unser Gründer Ingvar Kamprad hat laut schwedischen Medien 43 Milliarden Dollar Vermögen. Wenn Sie wollen, dürfen Sie als Geschirrknecht gern dazu beitragen, dass er bald die 44 Milliarden geschafft hat. Deshalb ist es wichtig, dass Sie mithelfen.“

(Das Bild oben zeigt übrigens das Bettgestell mit dem immer noch ungeschlagenen Namen „Leksvig)

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10 Gedanken zu “Dichtung und Wahrheit auf schwedisch

  1. ich weiss gar nicht was du hast – in schweden gibt’s keine riester-rente, das demographische bäumchen sieht auch immer trister aus, herr kamprad muss also wie wir auch privat für seine rente sorgen …

  2. Von wegen Verschwinden der Kindheit.
    Hoppel, der Hase ist der Fleisch gewordene Beweis, dass Kindheit ewig bleibt, weshalb er schon in freudiger Erwartung auf die Schokohäschen ist!!!

  3. … und was ich Ihnen, Herr Raschke, Sie Ewiggestriger, schon lange mal sagen wollte:
    WIR HABEN ÜBRIGENS WINTERZEIT
    Oder ist das wieder irgendein IsarVaginalatmenWaldorfrosastricksockenVeganYuppieschick den ich nicht verstehe, weswegen Sie Ihre Uhr nicht umstellen!!!

  4. was willst du uns eigentlich sagen? in schweden gibts halt kein „sie“. hat doch nix studentisches das geduze. mußt dich deshalb doch nicht gleich wie ein pornostar fühlen.
    es gab vor ein paar jahren auch noch das bett chromvig, fand ich auch immer großartig. vielleicht gibt es ja auch irgendwann das kinderbett „pedarast”.

    adjö

  5. @püppi: also ich hab in münchen gelernt, dass man in der anrede echt nur penner, pornodarsteller und kahlköpfige chefredakteurs-darsteller duzen darf. weiß nicht, wie ich mich jetzt fühlen soll. aber das es in schweden kein „Sie“ gibt, wusste ich echt nicht. andererseits bezahlen wir im ikea in deutschland ja nicht mit kronen und der aushang ist auch nicht auf schwedisch, sollen sie halt mal auf „Sie“ umstellen, die herren von billy.

    @hoppel: alter querulant, woher soll ich wissen, wie man die uhr umstellt in diesem programm? wenn ich ein nerd wär mit acryl-pulli und 20 leeren pizzakartons aufm fensterbrett „abloge“, wüsst ich’s vielleicht. aber dann würdest Du hier auch nicht lesen wollen, was es an heißen neuen download-gadgets gibt. gruß, rudi (um 14.05 mez GMT +1)

  6. Staatskunde mit Hoppel, dem Hasen (1)!
    Das Du in Schweden ist eine der großen Erfindungen der Schwedischen Sozialdemokratie Ender der 1960er Jahre.
    Die großen Erfindungen der Deutschen Sozialdemokratie sind dagegen so tolle Dinge wie die Notstandsgesetze, die uns ja bekannterweise so erfreuliche Dinge wie die Rasterfahndung, den finalen Todesschuß oder den §129a eingebrockt haben. Insofern sind die Schweden mit ihrem Du noch ganz gut bedient.
    Mittlerweile gibt es in Schweden jedoch gerade bei jüngeren Menschen die Bestrebung wieder eine Art Sie einzuführen, was jedoch auf hartknäckigen Widerstand der alten Recken der Sozialdemokratie trifft und momentan noch daran scheitert.
    Die Hoffnung, dass auch in Schweden wieder alles gut wird ist also durchaus berechtigt!

    @Rudi
    Ich hoffe die heißen news sind künftig heißer als der olle Inspektor Gadget!

  7. vielleicht entwickelst du ja beim nächsten längeren ikea aufenthalt das „Stockholm-Syndrom“ und findest plötzlich das duzen und was dich sonst noch so nervt ganz toll. in diesem sinne: „Nichts müssen – alles können“

  8. brandheiss auf den tisch die top drei der wahnsinnigen kinderdoppelnamen während des heutigen ikea-besuchs in freiburg:

    1) eileen-ines (ausgerufen, da im kinderland abzuholen)
    2) anna-olivia (von der genervten mama wg. unartigkeit angeraunzt)
    3) laura-eileen (von der mama zur „du-bist-ja-die-süsseste-tochter-auf-der-welt-und-alle-sollen-es-hören“ gekürt).

    na dann „trevlig helg“ …

  9. himmel, was für namen (und sogar ne doppel-nennung für eileen), warum einfach, wenn’s auch mit bindestrich geht? gilt auch am taufbecken für die kundschaft „entdecke die möglichkeiten“? jesus!

  10. @Püppi: Das Kinderbett Pedarast braucht Ikea nicht, weil es dort schon jahrelang das – ebenso für Kinder gedachte – Etagenbett „Gutvik“ gab.
    Siehe auch: Gutvik

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