Pressefreiheit in Westdeutschland bleibt erhalten

suedschwarzwald.jpgDie meisten werden sich noch an den Fall der „Todtnauer Hütte“ erinnern, der den lieben Kollegen Wolfgang Abel vor Gericht zerren sollte. Dazu wird es jetzt nicht mehr kommen, kurz vor der zweiten Instanz hat sich das Prozessieren gestern erledigt. Hier kommt der Artikel von Stefan Hupka aus der „Badischen Zeitung“ von heute:

„Ostzonal“ bleibt straffrei
Wirt der Todtnauer Hütte zieht Klage gegen Kritiker Abel zurück
FREIBURG (hup). Der monatelange Rechtsstreit zwischen dem Wirt der „Todtnauer Hütte“ am Feldberg und dem Gastrokritiker Wolfgang Abel ist beendet. Wenige Stunden vor der für gestern angesetzten Verhandlung vor dem Landgericht Waldshut-Tiengen zog der Gastwirt seine Klage zurück. Er hatte in einer Buchpassage Abels eine „Schmähkritik“ erblickt und ihn auf Unterlassung, Widerruf und Schadenersatz verklagt.

Abel, der Reiseführer herausgibt und im BZ-Magazin Kolumnen schreibt, hatte sich über Betriebsklima, Verbotsschilder und das Essen in der „Todtnauer Hütte“ mokiert und dabei auf die thüringische Herkunft der Wirtsleute angespielt: „,Bitte in Pfeilrichtung anstellen’, liest der Gast vor der Theke, hinter der es ostzonal tönt. Erzieherische Hinweise wie im FDJ-Lager auch auf dem Weg zum Abtritt.“

Sein Mandant fühle sich durch diese Wortwahl diskriminiert, sagte sein Anwalt, Heinz-Rudolf Hagenacker, bei einem Gütetermin vor dem Amtsgericht Schönau im Sommer, der ergebnislos verlief. Abel und sein sein Rechtsbeistand Hans-Albert Stechl dagegen beriefen sich auf die Presse- und Meinungsfreiheit.

Der Fall hatte ein lebhaftes Echo bis nach Thüringen und eine Fülle kontroverser Leserbriefzuschriften ausgelöst. Auch zum Prozesstermin gestern hatten sich zahlreiche Medien angekündigt.

In einer Mitteilung begründete der Kläger seinen Rückzieher mit dem „übergroßen medialen Interesse“ , das zunehmend zu einer „nervlichen und auch gesundheitlichen Belastung“ für die Familie geworden sei. Man sehe sich aber nach wie vor in seinen Rechten verletzt. Der Kläger muss nun die Verfahrenskosten tragen.

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