Stadion der Freundschaft

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Samstag morgen ruft Kollege Härringer an, ob ich Lust habe auf Haching gegen Hertha um 15.30 Uhr im Sportpark. Bevor einem der DFB-Pokal einfällt, grübelt man kurz, in welcher Liga das stattfindet. Natürlich sofort „ja“ geschrien: Denn der Kick verschafft uns nicht nur herrliche Vorfreude auf „echten“ Ligafußball.

Zugleich ist das die wohl lebloseste Begegnung, die der deutsche Fußball derzeit zu bieten hat: Hier der Club, der nichts erreicht hat außer dem Titel „Hauptstadtclub“ – dort der Münchner Vorort-Verein, dem kein Imageberater der Welt je zu einem St. Pauli-Ruf verhelfen kann.

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Und vor allem ist so ein Spiel für mich die pure Entspannung – wie ein Schwimmbadbesuch oder eine schwerst zerstreuende Teenie-Klamotte auf DVD. „Seele baumeln lassen„, nennt der Wellness-Sprech so ein Gefühl. Sogar einen verschossenen Elfer konnte ich mit der Kamera festhalten, statt ihn zittrig mit dem Rücken zum Spielfeld zu durchleiden.

Normal kann ich bei solchen Matches zwischendurch die Kickerbeine vor meinem Auge verschwimmen lassen und wild reflektieren. Am Samstag war es dagegen einigermaßen spannend, so dass ein Mix aus Spielbeobachtung und Fanstudie zustande kam:

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Nur in Haching stehen Frauen auf den Rängen, die eine Art Hipster-Hausschuh mit Socken, einem Trikot und einem Louis-Vuitton-Handtaschen-Fake kombinieren; der Fan vor uns schlägt zur Pause eine Seite auf, wie sie langweiliger nicht sein könnte (es geht ums Regensburger Kaninchen-Sterben). Die Stadionmucke ist ebenfalls Verbandsliga: Status Quo zum Anpfiff, ein rätselhaftes „Hell’s Bells“ zum Wiederanpfiff und das von zuvielen Aussetzern gestoppte „Summer of 69“ von Bryan Adams nach Abpfiff. Dazu der Anblick von Werner Lorants immer irrsinnigerem, immer weißerem, immer höherem Haarhelm: „Der ist bestimmt längst wasserdicht“, orakelt Kollege Härringer über das Gefieder.

Es war mein viertes Spiel im Sportpark und wie immer fühlte es sich wie ein lustig-luftiger Dorfkick an. Selbst wenn Deine Mannschaft beteiligt ist: Hier wird jedes Spiel zum Freundschaftsspiel. Kaum zu glauben, dass vor sieben Jahren in Unterhaching einmal eine deutsche Meisterschaft am letzten Spieltag entschieden wurde.

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2 Gedanken zu “Stadion der Freundschaft

  1. Wie schaffst du das bloß, irrwitzige Details wie die AZ-Seite deines Vorsitzers so scharf aufs Bild zu kriegen? Deine Beobachtungsgabe ist immer wieder inspirierend und vorbildlich.

  2. hey david, danke fürs lob, aber bei 90 minuten haching-hertha bleibt Dir gar nix anderes übrig, als Dich mal umzugucken, soviel passiert da ja nicht. war keine große kunst 🙂

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