Neulich, im Bayrischen Staatsschauspiel

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Samstagabend war Abo-Finale im Residenztheater und ich muss mich langsam über mich selbst wundern, wie sehr ich mich als regelmäßiger Theatergänger von der Institution Schauspielbühne entfremdet habe. Zum wiederholten Male saß ich da unter dem unfassbar hässlichen 80er-Jahre-Fresko und kämpfte in der ersten halben Stunde mit dem Zusammenzucken-Schlaf. Es ist verdammt schwer, sich einen drei-Stunden-Abend vorzustellen, wenn man schon das erste Sechstel so verbringt.

Auf der Bühne mühte sich Schillers „Maria Stuart“, die tolle Juliane Köhler („Aimee & Jaguar“) gab deren Widersacherin Elisabeth, inszeniert wurde das Stück von Amelie Niermeyer (früher Freiburger, heute Düsseldorfer Intendantin) – und es war am Ende wie immer so Note 3, ganz okay, alle Konflikte wurden deutlich, aber die Sinnfrage zum Theater blieb. Und warum hinkt das Stadt- und Staatstheater in seinen Möglichkeiten so hinter dem gegenwärtigen Kino hinterher? Weil das Publikum so dankbar ist? (Gestern abend fingen die ersten Zuschauer schon lauthals zu lachen an, als Mortimer sich nur ein wenig tänzelnd die Beine vertrat).

maria-stuart.jpgVielleicht ist es ein naiver Äpfel-Birnen-Vergleich, eine Konkurrenz zwischen Bühne und Leinwand herzustellen, nur: Liegt es allein an der Sprache, dass der Konflikt zweier Frauen mit einem Haufen wild gewordener Männer (Schillers „Maria Stuart“) und der Konflikt von acht Frauen mit einem wild gewordenen Mann (Tarantinos „Death Proof“) so gigantische Unterschiede in Sachen Unterhaltung aufweisen?

Dass ich natürlich gestern abend nicht die oberste Stufe der Hochkultur erklettert habe, zeigte die Pause: Denn zeitgleich unterbrach auch die direkt angrenzende Staatsoper (im oberen Bild re.) ihren „Rigoletto“ – auf den Treppen gab es deutlich affigeren Abendkleidputz als beim Schauspiel und spazierende Herren im Smoking, die Ironiefreies von sich gaben wie: „Aber dieser Mann hat ein Timbre – unglaublich.“ Ich fühlte mich wie in der Folge „Ein bissel was geht immer“, wo der Monaco-Franze sein Spatzl in die selbe Oper begleiten muss und sämtliche Timbre-Versteher vor den Kopf stößt („A rechter Scheißdreck wars“). Mein Vertrauen in die teuerste aller Subventionskulturen stärkte die Pausengong-Begegnung nur mäßig.

(Foto unten: Thomas Dashuber, Residenztheater)

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