Die schönste Stadt der Welt

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Wenn es Los Angeles zu bereisen gilt, mag ich nicht absagen: Als überzeugter Pro-Amerikaner freue ich mich ohnehin wie Klinsmän, wenn ich in die USA fliegen darf. Und wenn es dann noch nach L.A. geht, ist das für mich schöner als ein Flug nach New York – L.A. ist wie Manhattan mit Barcelona drangehängt, wenn die schräge Gleichung gestattet ist.

Meine Leidenschaft für diese Stadt verdanke ich allen Widersprüchen, die sie auszeichnen: Strand und Smog, Landschaft und Häusermeer, Zukunftsmetropole und Traditionsort. Ich finde sie als Soziologe so spannend wie als Glamour- und Architekturfan. Nur leider bin ich inmitten dieser ständig in Umwälzung befindlichen Megacity so traditionalistisch wie ein Weißwurstfreund vorm 12-Uhr-Läuten: Ich halte mich an ein paar Ritualen fest, es sind Orte, die ich immer wieder aufsuche. Ein paar Highlights aus 48 Stunden L.A. am Wochenanfang (ein, zwei neue Adressen sind immerhin dazugekommen seit dem letzten Mal):

sunset.jpgMit dem Auto den Sunset Boulevard hochcruisen: Ich biege stets Richtung Osten vom Pacific Coast Highway rechts ab, wo er um Hausnummer 17.717 rum in Malibu endet. Von dort schlängelt er sich durch biedere Häuslegegenden, Uni-Viertel, an Villen vorbei ins Herz der Stadt – Diners, Hotels, Motels, Bars. Bevor ich dann Downtown erreiche, wendet sich der Sunset zum Alternativen und ins Ruinenhafte.

booksoup.jpgBook Soup am Sunset Boulevard: Der beste Buchladen der Stadt, mit einem Top-Zeitschriftenangebot an der Seite (sogar die „Gazzetta dello Sport“ gibt es täglich). Dazu gut aufgelegte Verkäufer, die Dir auch mal eine Alternativ-Adresse aufschreiben, wo es etwas geben könnte, was sie nicht haben. Und sie schrecken nicht einmal vor David-Hasselhoff-Lesungen zurück. 8818 Sunset Boulevard, http://www.booksoup.com

amoebia.jpgAmoeba Music: Eine Indie-Plattenhalle, größer und schöner als ein OBI-Baumarkt. Große, gut gepflegte Secondhand-Abteilung. Dort eingekauft: den „Death-Proof“-Soundtrack, die letzte St. Etienne und die neue Spoon (Tipp von Swampster Chico, der gut war). 6400 Sunset Boulevard, Ecke Cahuenga Blvd.,www.amoebamusic.com

formosa-cafe.jpgEin Vorabend-Bier in einer Hollywood-Landmark: Erst war ich im „Frolic Room“ aus den 30er Jahren und dann wie immer im „Formosa Café„, beides Schauplätze im Film „L.A. Confidential“. Im Formosa ist mir schon einmal Rettungssänger Bono auf lustige Art begegnet, diesmal waren vor allem frisch geduschte Roadies da, die sich kurz nach Soundcheck aus ihren Clubs auf ein Bier geschlichen haben. Wundervoll, wie hier hinter runtergelassenen Jalousien bei Resthitze der Hollywood-Feierabend eingeläutet wird. Frolic Room, 6245 Hollwood Boulevard, Formosa Café, 7156 Santa Monica Boulevard

Abendessen oder -trinken im „Asia de Cuba“ im Hotel „Mondrian“. Dieses müsste eigentlich eher „Magritte“ heißen, weil es so viele Surrealien bietet: Die beleuchteten Weinflaschen, die in den Bäumen hängen, die überdimensionierten Matratzen und Blumenkübel, die selbst VIPs zu Zwergen machen. Und die eingerahmte Aussicht mit nach innen gerichteter Fassade. Hier ist Hollywood wirklich „Larger than Life“, wie es so schön heißt. 8440 Sunset Boulevard, http://www.mondrianhotels.com

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Ein früher Morgen in Santa Monica: Ich schwöre, dass es keinen entspannenderen Ort in einer Weltmetropole gibt als den Strand hier. In den Sand hocken, durchschnaufen, den Surfern zuschauen und man vergisst beim gleichmäßigen Rauschen, dass im Rücken 15 Millionen Menschen leben. Ein unglaublicher Kick.

hyatt-century-plaza.jpgGanz okay unterkommen: Das frisch renovierte Hyatt Century Plaza. Eine 700-Zimmer-Bettenburg, aber mit ansehnlicher Palm-Springs-Ornamentik. Der Blick vom Hotelbalkon geht entweder auf die Hollywood-Hügel gen Osten oder zum Pazifik nach Westen. Direkt gegenüber von der Century Plaza Shopping Mall. 2025 Avenue of the Stars, http://www.hyatt.com

lax-lounge.jpgEbenfalls fein: Die am Dienstag erst eröffnete Star-Alliance-Lounge am Flughafen. Mit Duschen, Sushi und einer wehmütig machenden Aussicht. Leider gibt es von hier kein Zurück mehr in die Stadt der Engel.

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7 Gedanken zu “Die schönste Stadt der Welt

  1. ich auch! das ist der vielleicht einzige haken an der stadt: die entfernung für einen launigen wochenend-trip. (ich war 30 stunden unterwegs für 48 stunden aufenthalt)

  2. tach der herr globetrotter,

    endlich mal anstaendiges zu lesen: amoeba haben ja lecker videos auf der seite. check mal das konzert der black lips. leider ohne puke und pippi, aber auch so die zur zeit großartigste punkband von welt. da du ja schon so nen blog beteriben kannst, bist doch sicher auch in der lage, das konzert auf dvd bzw. cd zu bannen. oder hast du dir diese feinheiten für naechstes jahr vorgenommen? in diesem sinne mahlzeit und gute nacht

    dr. rock

  3. 30 Stunden Reise für 48 Stunden Aufenthalt? Wie ist denn da wohl ihre Klimabilanz, Herr Raschke?

  4. gemischt, ich weiß. andererseits: der co2-ausstoß in tonnen wäre der gleiche gewesen bei 48 tagen oder 48 wochen. und so konnte ich wenigstens die mietwagen-abgasbilanz für kalifornien gering halten. also eher positive klimabilanz. den arnie wird’s freuen.

  5. Rudi, bin gerade in L.A.. Hier gibt´s Busse mit Fahrradständern vorne dran!! Darüber solltest Du mal was bringen, finde ich (haste rausgenommen, das Bild, gelle?)

  6. wow, solche busse? „in amerika gibt es das schon“ war laut max goldt in den 70ern mal ein schlauer satz. aber das bild ist nicht rausgeflogen, steht nur beim thema orlando statt bei L.A. und sonscht? wie war’s in leinfelden-echterdingen?

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