Arschgeweih, kulinarisches

Gelesen, gehört, zitiert: Unter der Überschrift „Molekulare Waschlappen“ fasst Wolfgang Abel die Hypes um den spanischen Küchen-Luftikus Ferran Adria und seinen documenta-Auftritt in Kassel gewohnt brilliant zusammen. Der ganze Text erschien im Magazin der „Badischen Zeitung“:

Damit ist die Sache freilich nicht erledigt, schließlich markiert Adrià nur die Spitze einer bizarren Überkulinarisierung des öffentlichen Lebens. Schon seit Jahren zischt und brodelt es auf allen Kanälen, wer keine Meinung zum Niedrigtemperaturgaren und Hochgeschwindigkeits-fritieren hat, gilt mittlerweile als zungenblinder Sonderling. Einem kulinarischen Arschgeweih gleich, hat sich die Debatte über Meersalzkörnung und Jahrgangsessig bis in feinste Nichtigkeiten verästelt.“

Nachtrag, 15.6.: Inzwischen steht übrigens fest, worin Adrias documenta-Beitrag besteht: Natürlich wird er nicht 100 Tage in Kassel anwesend sein, wie die anderen Künstler, sondern täglich zwei Kunst-Besuchern einen seiner raren Plätze in seinem 1500 Kilometer entfernten spanischen Restaurant reservieren. Aus der rauf- und runterbesprochenen documenta-Teilnahme ist also ein Gewinnspiel für Selbstzahler geworden. Wer das neppig findet, kann sich mit der Erklärung des documenta-Chefs Roger M. Buergel trösten, die ebenfalls ein wenig nach Haustür-Trickbetrug klingt. Aber nur ein wenig: Er verstehe die Frustration der Besucher (sagt Buergel in der „Welt“, Anm. RR) «aber Frustration ist der unverzichtbare Bestandteil von Bildung»

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