Auf die andere Tour

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Zwei gastronomische Alternativen zum allseits kolportierten München-Klischee sind in den vergangenen Jahren flächendeckend erblüht: Zum einen jene Konversions-Theken, die sich in Ex-Kantinen, Ex-Omacafés, Ex-Stadtwerken, Ex-Balkangrills und anderen Ex-Orten ein freakiges Auskommen besorgen.

Ich habe in meiner Urlaubswoche soeben die andere Erfolgsvariante ausgiebig getestet: jene kleinen Selfmade-Adressen, in denen ein Kaffeeausschank in Hinterzimmer-Manier aufgezogen wurde. Von diesem Modell dürften all jene begeistert sein, die jegliche Hoffnung in die Eichstrich-, Zitronenachtel- und Tiefkühl-Gastronomie fahren lassen haben.

Stellvertretend zwei Beispiele: Das gar nicht mehr so kleine „Aroma“ zeigt auf einer mit Kuchenstücken überfüllten Theke (Bild unten) den ganzen Stolz seiner Betreiber, vernünftiges Backwerk an Mann oder Frau zu bringen. (Und zugleich das Selbstbewusstsein, dass bei ihnen nichts Ränder ansetzen wird.) Dass dafür keine Innungskarriere im Konditorenwesen durchlaufen wurde, ist in Sachen Leidenschaft ein klarer Vorteil. Serviert wird eine etwas verwirrende Anzahl an Kaffeesorten, ein zweiter Teil des Hauses hält in bester Alimentari-Tradition vernünftige Schinken, Käse und sogenannte „Pausenbrote“ bereit. Wie im Berliner „Lebensmittel in Mitte“ wird hier ausgestorbene Bürgerlichkeit charmant reanimiert.

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Der zweite Laden ist der „Tagträumer“ in meiner Nachbarschaft (siehe Polleralarm). Anfangs war das für mich eine etwas zu anheimelnde, weil scheinbar in der Welt der Orgateams, Therapietreffs und Gruppenräume angesiedelte Kaffeestube. Heute gehe ich gern hin, wenn ich auf dem Kindergarten-Rückweg bei einem feinen Cappuccino schnell die Süddeutsche lesen mag (Bild oben). Das Zeitschriftenangebot dieser Minibar ist angesichts ihrer Badezimmergröße unschlagbar üppig, das Personal extrem angenehm, die tägliche Speisekarte in ständiger Verfeinerung begriffen. Auch hier scheint ein autodidaktischer Zauber zu wohnen, der der „Draußen-nur-Kännchen“-Welt wie dem Systemgastronomie-Universum um Lichtjahre enteilt ist. Und was gibt es Vertrauenbildenderes als eine Tresenkraft, die neben dem Milchschäumen noch Äpfel für eine feine Süßspeise reibt?
Tagträumer, Dreimühlenstraße 17
Aroma Kaffeebar, Pestalozzistraße 24

P.S.: Der „Tagträumer“ ist jetzt auch mit einer traumwandlerisch schönen Homepage anzusehen, guckt Ihr: www.tagtraum-muenchen.de

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