Heraus zum 1. Mai

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Am „Tag der Arbeit“ übertreffen sich traditionell alle mit Patentrezepten, ich empfehle schlicht: Sechs bis acht getrocknete Tomaten in Wasser einlegen, abtropfen lassen, mit frischen Kräutern (Thymian zum Beispiel) und einem Viertel Pfund weicher Butter in den Mixbecher eines Pürierstabes geben, Salz/Pfeffer dazu und daraus eine 1a-Tomatenbutter machen. Ungetoastete Sandwichbrote damit beidseitig bestreichen, dazwischen noch eine Scheibe gekochter Schinken, zuklappen und zu Tramezzini-Dreiecken schneiden.

Das Ganze packt man am besten in eine Kühltasche und begibt sich auf Zeitreise zu einer Sommerfrische wie dem Buchsee. Schon die Straße dorthin ist ein Idyll, wie für einen Doppel-Werbespot von BMW und Erdinger gemacht. An diesem privaten See findet sich ein Bauernhof mit Biergarten und Durchreiche-Verkauf, dahinter eine traumschöne Weiher-Landschaft mit einer weitschweifigen Liegewiese in den Hügeln. Im Hochsommer schwimmen Seerosen auf dem Wasser. Der Eintritt kostet einen Euro und wird je nach Sonnenstand und Andrang beim Bauernhof oben (Bild) oder am Holzzaun unten kassiert.

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Wer vom Sonnenbaden genug hat, knöpft notdürftig sein Hemd zu und läuft die 100 Meter nach oben zur Biergarten-Wiese. In der Kulisse steht ein mannshohes Kreuz, dazu diese lose verteilte Bestuhlung, die sich nur der leistet, dem es auf den Platz nicht ankommt und der die Muße über das Geldverdienen stellt. Zwischen den Gästen pickt eine Hühnertruppe, die von einem prächtigen Hahn zusammengehalten wird.

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Hier, auf einem grünen Klappstuhl, kann ich mir einen wie den Herbert Achternbusch mit seiner Schreibmaschine vorstellen, in dem weißen Sommeranzug, in dem er vom „Ambacher Gefühl“ geschrieben hat. Im gar nicht weit entfernten Ambach am Starnberger See hält es übrigens kein normal fühlender Mensch mehr am Feiertag aus, wenn Ferrari-Fredls aus ganz München beim „Bierbichler“ rumlärmen. Der Buchsee ist ein heilsames Gegengift gegen die Starnberger Republik. Ein Geheimrezept.

A95 Richtung Garmisch, Ausfahrt Wolfratshausen, in Münsing rechts abbiegen und dann 2 km Richtung Buchsee fahren.

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3 Gedanken zu “Heraus zum 1. Mai

  1. Tja man wird halt älter, gell Rudolph!
    Aber ich hab` Dir ja schon an anderer Stelle eine Wiehrekarriere prophezeit.
    Unsereiner dagegen wie immer revolutionär hinaus zum 1. Mai auf`s lustige Straßenfest im Grün. Lauter fröhliche und glückliche Menschen getroffen, die man das ganze Jahr nicht sieht und hinterher auch wieder weiß warum das so auch gut ist. Dicker gewordene Pärchen – ER Bierbauch, SIE schwanger – getroffen. Von der lustigen Capoeirabarfußtanzgruppe zwangsbeglückt worden. Sich den Weg zum Klo im Geier durch AusdruckstänzerInnen zu unvermeidlicher Latrinomusik gebahnt. Lauwarmes Bier im Jos Fritz getrunken („Wir haben heute so einen Durchlauf, da wird das Bier gar nicht mehr kalt“ – vielleicht hätte man es besser in den Kühlschrank gestellt anstatt in Kisten in die Sonne!). Der lecker-veganen – ist das nicht ein Widerspruch an sich! – Gemüsesuppe, von Motorenöl verschmierten WagenburglerInnen liebevoll zubereitet, gerade noch entkommen (Wo ist eigentlich der WKD wenn man ihn einmal brauchen könnte!). Von den leicht säuerlich riechenden Straßenpunks Rotzi, Votzi und Kotzi mit ihren Hunden Waldi und Aldi beim Pizza essen angeschnorrt worden. Und zu guter Letzt den vergeblichen Komminikationsbemühungen der Lautsprecherwagen von Trachtengruppe (Viel Böse!) und Verbalradikal (Viel Gut!) sowie den Kommentaren der üblichen Verdächtigen vom Straßenrand („Die solled erschd mol was schaffa“ von 20jährigen Jura- und BWL-StudentInnen – „Geht doch nach d`rüben!“ hat leider gefehlt, würde sich jetzt ja wohl auf Nordkorea beziehen, oder) am Rande der „Liebe und Hass – Parade“ andächtig gelauscht, bevor ich mit der Frau Gemahlin bierselig zu später Stunde nach hause flaniert bin.

  2. hör ich da bei „er bierbauch – sie schwanger“ einen seitenhieb auf den betreiber dieses blogs raus?
    ansonsten phänomenale schilderung der freiburger zustände – man beneidet Dich nicht um die anwesenheitspflicht dort. dürfte aber eine gmähte wiese gewesen sein, wenn die kursierende unterschriftenliste einer gewissen fußball-bürgerbewegung auch bei rotzi, votzi und kotzi halt gemacht hätte…

    magst Du nicht langsam mal „hoppel hases freiburger wohlfühlblog“ starten?

  3. Schaffsch Du eigentlich nix oder wie soll ich mir die schnelle Antwort auf meinen Kommentar sonst erklären?
    Und wozu brauche ich `nen eigenen Blog, wenn ich „bei“ Dir (oder muß das in diesem Falle nicht eher „in“ Dir heißen) hemmungslos und unerkannt meine literarischen Ergüsse loswerden kann?!
    Und das mit „ER Bierbauch, SIE schwanger!“ ist bei genauerer Betrachtung eindeutig nicht von der Hand zuweisen, wobei ich Euch beim Schreiben tatsächlich nicht im Sinn hatte!
    Es grüßt Hoppel, der Hase, der au nix zom schaffa hot!

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