Das Irrenhaus der Liga

Erträgt noch jemand außerhalb Südbadens die Gschichteln über den einstmals glorreichen SC Freiburg? Ich habe hier in München Zweifel daran, obwohl gerade wieder die versammelte Weltpresse im Breisgau gastiert: Vier Seiten im Stern vergangenen Donnerstag, Sport-Seite 1 in der SZ vom Montag, demnächst vermutlich noch Zeit, New York Times und Radio Vatikan. Alles wie zu Anfang des Freiburger Fußball-Wunders, nur nicht so himmelhochjauchzend.

Was mit einem Club passiert, in dem eine außerordentliche Mitgliederversammlung den Trainer küren soll, berichtet komischerweise keiner. Nun, vermutlich muss künftig jede Woche ein Nebenzimmer gemietet werden, um die Aufstellung zurechtzuakklamieren. Oder Handzeichen-Karten an alle Mitglieder auf den Tribünen ausgegeben werden, um die Einwechslungen abzustimmen. Logo, dass auch der Kapitän nicht ohne vorherige Urnenauszählung zur Platzwahl schreitet. Da-gehn-wir-bis-nach-Karlsruhe-Demokratie der allerfeinsten Sorte.

Die einheimische Presse flankiert das ganze Geschehen überwiegend reflexionsbefreit, mit einseitigen Schuldzuweisungen und Sippenhaftstories über Vorstands-Angehörige. Geschenkt. Ich mag mir nicht verkneifen, Euch auf das Wir-sind-Finke-blog hinzuweisen, vor allem die Hobbys seines Betreuers Ekke. Dass es den meisten weniger um die Sache als um eine anständige Selbsterfahrung geht, bestätigt sich hier (sofern es sich um keine Parodie handelt).

Den eben von mir erfundenen Werner-Kirchhofer-Preis stifte ich übrigens Frank Rischmüller, der seine aber sowas von geballte Medienpower auch künftig sinnvoll einsetzen will, nicht ohne Öl ins Feuer, Salz in die Suppe, Holz in den Wald und Finger in die Wunden zu legen, lest selbst:

„…werde ich natürlich dem Finke-Nachfolger als Kommentator (106.0 Antenne), Kolumnist (ReblandKurier und Wochenblatt) und Tagebuchschreiber (www.frank-rischmueller.de und http://www.regiotrends.de) eine faire Chance geben. Ich werde mich allerdings mit einem Mittelfeldplatz in der zweiten Liga nicht zufrieden geben und gegebenenfalls den journalistischen Finger in die Wunde legen.“

(Und morgen gibt’s von mir dann wieder eine mit journalistischen Fingern getippte Selbsterfahrung, die nichts mit Fußball und SCF zu tun hat, sondern mit schönen Dingen, versprochen.)

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5 Gedanken zu “Das Irrenhaus der Liga

  1. Was hast Du denn gegen die Hobbies von Ekke?
    Ehrenamt, Volunteering, Tourismus! Das hört sich doch schon ganz wie ’ne aktuelle Beschreibung der SC-Verantwortlichen an.
    Selbsthilfegruppen, ich sag‘ nur Ultras und Wir-sind-Finke.
    Natur, Umwelt, Wandern, Belchen, Feldberg! Hier handelt es sich dann wohl um die zukünftigen Tätigkeiten aller Beteiligten. Genug Zeit dürften ja bald alle dazu haben. Wie sieht wohl ’ne Wander-Ultras-Choreo aus? Oder Trenkle und Co sammeln Unterschriften als Bürgerini „Wir-sind-Barfusspfad“. Atai Keller spitzt jetzt schon den Griffel.
    Nur Sport, Jugend, Erneuerbare Energien und auch Business haben derzeit eindeutig nichts mehr mit Ekkes Hobby SC Freiburg zu tun.

  2. Nach der Beschreiburg aus dem Absatz ist Frank Rischmüller ja quasi ein Ein-Personen-Medienkartell. Ist das nicht gefährlich für die Demokratie?

  3. Ja, man sollte die europäischen Behörden einschalten. Und wer weiterhin von der „Badischen Zeitung“ als Monopol spricht, hat seine Rechnung ohne Zar Frank, den „Murdoch von der Dreisam“ gemacht. Am Ende gibt er noch den Berlusconi und putscht sich mit Hilfe von „Ich bin Finke und meine Frau ist auch Finke“ zur Stocker-Nachfolge :-).

  4. Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, hier eine Lustigkeit aus dem SC-Fanforum:

    „Ich wäre auch für einen Verbleib von Finke gewesen wenn die Mannschaft weiter um den Abstieg gespielt hätte. Das sportliche interessiert mich nur am Rande. Wichtig ist mir, dass der SC Freiburg einen Trainer hat, der politisch links steht, denn das hat den SC Freiburg schon immer ausgemacht und deshalb bin ich Fan von diesem Verein. Fussball hat mich garnicht interessiert bis ich vom alternativen Image des SC Freiburg gelesen habe.

    Und das soll jetzt zerstört werden?

    Stocker würde ich als eher unpolitisch bis konservativ bezeichnen. Der soll von mir aus zurücktreten. Breit und Keller haben beim SC Freiburg auch nichts verloren und im Vorstand schon zweimal nicht. Ob Weimer einen guten Job macht kann ich nicht sagen, aber immerhin ist er für Volker Finke. Auch wenn er als Bänker eher den Kapitalisten zugeordnet werden müßte.

    Achim Trenkle wäre ein Vorstand, den ich mir wünschen würde. Ein ehemaliger Autonomer Strassenkämpfer zusammen mit dem grünen Volker Finke. Das wäre ein Duo. Ich glaube die Aufmerksamkeit der Medien hätte der Verein sicher. Und die Sympathien der Nicht-Fussball-Proleten sowieso!“

    Soviel Realsatire, da verneigt sogar Hoppel, der Hase ehrfürchtig seine Schlappohren!

    P.S.: Wäre auch ein schöner Redebeitrag von „Wir-sind-Finke“ auf jeder antikapitalistischen, revolutionären 1.Maidemo weltweit gewesen.

  5. Bin fassungslos, wenn das keine Parodie ist. Auch solche Leute wie der Freak aus dem SC-Forum tragen den Fußball zu Grabe, nicht nur die Abramowitschs und Glazers. Und für „Wir sind Dinkel“ gilt: Wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde mehr…

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