Land des Hechelns

Wenn wildfremde Menschen zu meiner Linken und Rechten hemmungslos stöhnen, bin ich meistens in einem Fußballstadion. Am Sonntag war es der Geburts- vorbereitungskurs bei Hebamme Ulrike. Fünfeinhalb Stunden bei feinstem Wetter, aber schon sinnvoll. Wer blamiert sich gern im Kreißsaal durch Ungeschicktsein?

Nach der letzten Geburt wurde mir attestiert, dass ich immerhin den Job einer Hebammen-Schülerin im ersten Jahr gemacht hätte. Dieses Mal, um den 15. Mai, strebe ich die Beförderung zur Zweitjahres-Schülerin an.

Gelernt habe ich am Sonntag, dass es Schwangere, anders als in den neun Monaten davor, im Kreißsaal überhaupt nicht mehr toll finden, wenn ihnen der Mann den Bauch tätschelt. Und dass man für alle Fälle eine Kleiderpelle zum Herausschälen tragen muss – tauglich für Bullenhitze bei Anreise an der Klinik, aber auch für einen nächtlichen Lockerungsspazierung in der Strickjacke. Und dass die überwiegende Mehrheit der Hebammen selbst keine Kinder hat.

Vom letzten Gebärkurs habe ich nur eins in Erinnerung: Der SC Freiburg spielte genau wie am Sonntag beim 1.FC Köln. Es war ein Montagsspiel im November 2003 und der Kurs bei Hebamme Giselheid in Freiburg-Wiehre war so angesetzt, dass es zum TV-Anpfiff gereicht hätte. Ich weiß noch genau, wie ich mich mit „gell- wir-wollen-alle-zum-Fußball-daheimsein“-Blick in der Runde verloren habe. Keiner der angehenden Väter von Maximilian, Joshua oder Samuel schien überhaupt Ahnung von einem Match zu haben. Sie stellten längst beantwortete Fragen, Giselheid brauchte pro Antwort handgestoppte acht Minuten. Ich kam zur zweiten Halbzeit heim, Köln gewann einsnull. Beide Teams stiegen am Ende auf.

Statistisch hochgerechnet werde ich im Jahr 2019 den Geburtsvorbereitungskurs für mein fünftes Kind belegen. Der SC spielt an diesem Tag ein Zweitligamatch in Köln, der FC hat angesichts von sechs Trainerwechseln zwischen unserem ersten und zweiten Kind den nunmehr 24. Coach seit Giselheid. In Freiburg heißt der Trainer statistisch gefühlt immer noch Volker Finke (71). Ich trainiere derweil für das Hebammenabzeichen in Gold.

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Veröffentlicht in Allgemein

Ein Gedanke zu “Land des Hechelns

  1. Oder vielleicht doch lieber im Stadion gegen Koblenz und Claus Köhn gratuliert mit einem fröhlichen Congratulations als Hintergrundmusik „Herrn Rudi Raschke zur Vaterschaft“, 20.000 Trainer johlen, Uli Fuchs fragt ob es wenigstens ein Neger ist, Chico ist neidisch weil er als Italiener nur ein Kind hat, Volker Finke segnet Dich und das Kind durch Hand auflegen und Micha F. trinkt noch ein Bier!

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