Öffentlich-rechtliches Anstalts-Vergnügen

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(Bild: Thomas Dashuber/Resi)

Gestern abend waren wir im Residenztheater, es gab den „Offenen Vollzug“ mit Gerhard Polt und den Biermösl Blosn. Es war sicher nicht Polts bestes Stück, saugut war es trotzdem. Vor allem die Schlussnummer, in der Polt ungeahnte Parodie-Künste offenbart – im vollen Ornat, mit höhenverstellter Singsang-Stimme und rollendem R spielt er Papst Benedikt und kärchert nebenbei den Weinberg des Herrn mit dem Laubbläser.

Bei der famosen Biermösl Blosn hab‘ ich nach Nummer zwölf mit dem Instrumente-Zählen aufgehört (Harfe, Alphorn und Dudelsack inkl.). Und mich ansonsten still an meinem Wohnort Bayern erfreut: Zuverlässig liefert dieses Land zwischen zwei Polt-Programmen soviele Skandale (Stoiber, Beisheim-Stiftung, Gammelfleisch), dass der Meister wieder mühelos zweidreiviertel Stunden gefüllt bekommt.

Das Schöne ist aber dann auch der öffentlich-rechtliche Umgang mit diesen Themen, gerade weil man es in weiß-blau-Country nicht vermuten würde: Der jeden Donnerstagabend vor einem Stoiber-Double niederknieende „Quer“-Moderator Christoph Süß ist in jeder anderen Anstalt außer dem Bayrischen Rundfunk zur Hauptsendezeit undenkbar. Und dass Polt im Bayrischen Staatsschauspiel, als Veranstaltung im Abo „lila“, auftritt – das war das heimliche Vergnügen des gestrigen Abends. In diesem Bundesland werden Steuer- und TV-Gelder wenigstens sinnvoll verschwendet. Vielleicht gilt aber auch nur, was Herbert Achternbusch vor über 20 Jahren sinngemäß so formuliert hat: „In Bayern leben 60 Prozent Anarchisten, und die wählen alle CSU.“

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