Heiligendamm, Berlin, Haching – die Frisur sitzt

Am Samstagnachmittag war ich zum Interview mit einem sehr berühmten deutschen Künstler in Heiligendamm. Es war mein dritter Besuch dort seit der Eröffnung des Grand Hotels, und leider hat man dort immer noch keine rechte Fahrt in Sachen Seebad-Beschwingtheit aufgenommen: Das ganze Gelände lädt eher zu Melancholie als zum Tänzchen ein, die Rituale des 5-Sterne-Wesens werden eingehalten, aber aufrechte Herzlichkeit fehlt. Dazu kommen seit jeher die hässlichen Kämpfe frustrierter Anwohner um Durchquerungshoheit und Strandöffnungen. Jetzt, mit Näherrücken des G8-Gipfels im Juni, wird es noch steifer: Die Polizei sichert schon mal heute die Anreise, die Fundamente für die arg großräumige Einzäunung sind gelegt. Ein irgendwie seltsamer Ort. Bisher entgangen war mir nur die schön bestückte Bibliothek mit fein ausgelegten Folianten, vielleicht der beste Ort dort für angemessenes Bäderfeeling.

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Übernachtet haben wir dann lieber in Berlin: Das „Lux 11“ zwischen Alexanderplatz und Volksbühne verkörpert das Gegenteil vom Heiligendamm-Kempinski an der See: freundlich, fröhlich und mit unverlangten Zusatzleistungen – die kleinen Suiten sind mit Küchen-Annehmlichkeiten bestückt. (Bild: Blick aus unserem Raum aufs Haus, den Alex-Turm und Plattenbau davor) Einen besseren Ort für einen nächtlichen Streifzug durch Berlin gibt es nicht: Hier in Mitte zeigt die Stadt immer noch in einem einzigen Straßenzug alles von DDR-Vorwendezeit über Besetzer-Bratzigkeit bis zur Weltkunst von übermorgen. Der Berlin-Vibe gefällt mir jedes Mal besser.
(Rosa-Luxemburg-Straße 9-13, DZ ab 130 Euro, http://www.lux11.de)

Vom Flughafen München ging es dann direkt nach Ankunft gen Unterhaching, der SC Freiburg gewann 2:0 in einem Kick, dessen Ausstrahlung und Relevanz einem Vorbereitungmatch auf dem Dorf entsprach: 3000 Zuschauer, die paar hundert Freiburger Fans darunter genossen im Stehblock das Sonnenbank-Feeling. Der SC gewann trotz gepflegter Chancenauslassung und Torwart-Rückpässen über 60 Meter irgendwie verdient. Weitere Hinweise für einen Dorfkick: Weil man in den vergangenen Jahren wenig Anlass zu Jubelrunden bekam, muss die Freiburger Truppe nun die TV-Tänze anderer Proficlubs nachstellen: Ein bisschen Vorjahres-HSV mit Partykreis und irrem Vortänzer, ein bisschen Vorjahres-Mainz mit Humba vorm Fan-Zaun. Aber schön zu sehen, wie ein zunehmend entspannter Finke sich einreiht. Es soll auch glücklich Geschiedene geben.

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Ein Gedanke zu “Heiligendamm, Berlin, Haching – die Frisur sitzt

  1. Tja, die Frisur des Herrn Raschke!
    Da gäbe es schon einiges zu sagen, bspw. Herr Salomon, aber lassen wir das!
    Was natürlich nicht fehlen darf ist die obligatorische SC Schelte. Da sage ich nur, spiel doch erstmal `nen 60 Meter-Pass!!!
    Ich sehe Dich schon mit mir zusammen in dreißig Jahren auf`m Schorlebänkle, Tauben vergiften im Park und Freiburgs aufstrebenden Fahrradstudenten den Gehstock zwischen die Speichen schieben, wenn Du so weiter machst, Du alter Grantler!!!

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