Ausgemustert

Nach sechs Jahren bin ich kurz vorm Jahreswechsel wieder einmal durch den Freiburger Stadtteil Vauban spaziert. Erstaunlich: Aus dem einstigen Modellstadtteil wurde ein verdrecktes Freakloch, das Vorzeigemodel ist heute eine verwahrloste Alte.
Die Zeit, die hier zur Pflege von Gärten oder Frisuren eingespart wird, wird in eigenwillige Öko-Bürokratie investiert: Nirgendwo wurden kunstvollere Müll- und Fahrradunterstände beantragt als hier, lauter kleine Wellblech-Villen. Es gibt einen öffentlichen Brotbackofen, seine Benutzung mit Backzeit und Kaution regelt ein dicht bedruckter Vierseiten-Aushang. Und es gibt mächtige Mülltresore, in die nur mit Codekarte entsorgt werden darf. In seiner Schrulligkeit ist Vauban tatsächlich ein Modellstadtteil, vielleicht der durchgeknallteste in ganz Deutschland. Hier bekommt man Lust, sich im Sommer einen Monat lang einzumieten und Tag um Tag die Toleranz der Nachbarn zu testen: Auto vors Haus fahren, Grill anwerfen, einen FDP-Stand vor „Alnatura“ aufbauen, die Tantragruppe aufmischen, Bartträger im Herbert-Wehner-Stil beleidigen („Sie Gestalttherapeut!“). Und vor allem aber mal Unterschriften für ein paar lustige Straßennamen sammeln: Harald-Juhnke-Straße, Michael-Schumacher-Allee oder Casanova-Platz wären schön.
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