Archiv der Kategorie 'Feiern'

Zu Gast beim Murmeltier-Ball

Es war ein gewaltiges Deja-Vu, das wir am Samstagabend im Freiburger Konzerthaus verbraten bekamen – auf den Bühnen ein weiteres Mal Pepe Lienhard, dazu der Kerner vom SWR (Markus Brock) und gottseidank auch wieder Rainer Trüby, ohne den der örtliche Presseball ein etwas arg staatstragendes Unterfangen wäre (außerdem würde dann auf drei Tanzfluren gleichzeitig „I will survive“ oder „Sexbomb“ laufen). Dazu die immergleichen Empfangs-Clowns und das Smalltalk-Thema Russland-Spiel, in dem wie im Vorjahr René Adler den Sieg festgehalten hatte. Übrigens auch diesmal mit einem Tor Vorsprung. weiterlesen ‘Zu Gast beim Murmeltier-Ball’

Eklatfrei Feiern

Hinter uns lag ein beachtliches Ausraster-Wochenende, daran besteht kein Zweifel: Ein Ösi-Politiker gab letztmalig Vollgas, ein deutscher Nationalspieler ging mal eben Zigaretten holen und ein Literaturkritiker aufs Ganze, nachdem er sich mit 88 Jahren für eine Show bequatschen ließ, in der Atze Schröder auftritt. Freiburg darf froh sein, dass MRR nicht beim Presseball aufgetaucht ist.  

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Wahn und Sinn in der Trinkkultur

Charles Schumann, Deutschlands berühmtester Barmann und einst Pionier in Sachen hiesiger „American Bars“ hat allen vorgeführt, wie ein guter Drink funktioniert: Keine Obst- und Gemüsehalden, keine Spießchen und Schwertlein als Dekoration; kein Spirituosen-Durcheinander im Glas; keine absurden Eigenkreationen. Mit diesem Konzept kann sich der gute Charles in seiner Bar am Odeonsplatz zurück lehnen und bei jedem Trend die Schwingtür zum Hofgarten auf Durchzug stellen.

Interessante Sachen gab es zuletzt durchaus: In den letzten Jahren wurden sog. „Signature Drinks“ groß, also eine Vorzeige-Kreation des Hauses (im Schumann’s immer noch seine Interpretation des „Whisky Sour“), es wurde mit Kräutern und Herzhaftem gemixt (bisher bei Charles kaum, aber durchaus vorzeigbare Ideen bei den Münchner Kollegen in der „Trinkhalle“), es gab ein Tiki-Revival und es wurden auch schon die ersten Stickstoffnebel als Boten der „Molecular Mixology“ gesichtet, als flüssige Entsprechung zu Ferran Adrias Küche.

 

Der schlimmste Leberhaken kommt jetzt jedoch aus Sydney: Im dortigen „Zeka’s“ ist vom Riechen bis zum Hören alles in einer wahrhaft Frankenstein’schen Cocktail-Kreation gebündelt. Die Zeichen stehen auf sinnlicher Vollstimulation – Einnebeln, Zwangshören, Rumdieseln und Verdunkeln – vermutlich die schlimmste Garnitur, die je für einen Cocktail erfunden wurde.

Bleibt zu hoffen, dass die „gastronomische Stahlhelmfraktion“ (Begriff wie immer von Wolfgang Abel) den Trend nicht abkupfert und ihr Friteusen-Schnitzel künftig nicht mehr nur mit Tomatenviertel und Salatblattachtel serviert. Sondern noch Wunderkerzen, Schweißnebel und einen schlecht erzählten Witz dazu reicht. Sinnesfreuden pur. Auf die Überschrift im „Badisch schmeckt’s“-Beitrag melde ich jetzt schon Titelschutz an: „Das Ohr riecht mit“.

(Fotos sind Symbolfotos von Martin Reichert/heise.de, danke für den Tipp an Stefan Jäger)

Abiturienten! (2)

Das mit dem finalen Spruch neulich schrie ja danach, dass einer kommt, der noch wahnsinniger ist. Aber jetzt ist wirklich Schluss gell?

(Dank an den Hasen für weitere Fotobeweise)

Abiturienten!

Gell, jetzt hört Ihr langsam wieder mal auf mit den Wortspielereien rund um Euren Schulabschluss und überlasst das den Experten von Titanic, SZ-Magazin, Claudius Seidl und dem Playboy-Textchef (Grüßle an dieser Stelle). Dieser Tage habe ich den finalen Abi-Kalauer auf einem Auto in der Freiburger Habsburgerstraße gesehen, der ist dann auch nimmer toppbar:

Abi lief, I can fly 08″.

Televisionen

Vier Wochen, nachdem ich bei „Superpunk“ im Freiburger „Waldsee“ meinen Frieden mit dem Altwerden geschlossen habe, bin ich bei „Tele“ gestern ebendort in den Jungbrunnen gefallen. Die Band aus Berlin mit den südbadischen Wurzeln hat gestern eine derart gute Laune in den Saal gezaubert, dass man Busladungen voller Frustzauseln zu ihren Konzerten karren möchte, am besten krankenkassenunterstützt.

Was war los? Francesco Wilking, einer der wenigen Charismatiker, die unser Landstrich hervorgebracht hat, plauderte, scherzte und rockte durch einen Konzertabend, der nach vorne ging. „Dieses Lied ist nicht gegen Freiburg, es ist bloß zu schnell für Freiburg“ erklärte er einen der vielen Songs, die so neu waren, dass keiner mitsingen konnte – sie werden erst im Mai für die neue Platte aufgenommen. Vor allem die Intros waren unfassbar funky, man musste hin und wieder an „International Pony“ denken und es schaut so aus, als würden die neuen Titel die etwas schwache „Wir brauchen nichts“ vergessen machen.

Bei „Falschrum“ stießen gutgelaunte und -aussehende Mädchen über den Köpfen ihrer Mitbesucher die Beck’s-Flaschen zusammen, bei „Wenn Du gehst“ wurde gehüpft und bei „Wovon sollen wir leben?“ war ich wie eh und je gerührt – bei dem Song werde ich ewig an die französischen Serpentinen denken, in denen dieses Lied im Sommer 2004 kurvein, kurvaus im Audi lief; es war unser erster großer Urlaub mit Kind und die Frage des Titels traf unseren Nerv.

Schönste Zeilen des Abends waren dann auch die alten Zitate, die in textsicherer Runde mitgesungen wurden. Einziger Grund, warum das Konzert nicht an das im Münchner Atomic Café (Fotos unten) im Frühjahr 2005 rankommt – damals hatten sie ein unvergessen schönes Best-of-Programm auf der Setlist: „Nownownow“, „Vielleicht“, „Lang geht das nie“ und noch zwei andere meiner Tele-Top5. Und wer jetzt denkt, dass hier eine Band vielleicht etwas zuviel Lob abkriegt: nichts davon ist übertrieben, wer die glücklichen Gesichter um sich herum gestern gesehen hat, weiß was ich meine.

(diese zwei Bilder: Tom Höhne), Homepage: www.telemusic.de

Playoff: Äpfel vs. Birnen

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Am Dienstag bin ich fremd gegangen: Mein Besuch beim siebten Playoff-Match des EHC war der erste seit fünf Jahren, davor war ich einmal als Eventfan in Schwenningen dabei und davor wiederum bei Spielen, als der Club noch ERC hieß und die Spieler Laycock und Heatley. Die Rede ist von Eishockey und meine Vorurteile bzgl. dieser Sportart reichen von hier bis Toronto: Zu unseriös, zu anstrengend ohne dreifach-Zeitlupe, zu ungebildet, zu brutal, zu viel Tor-Inflation, zu doofe Regeln. Zeit für eine Überprüfung und einen Vergleich – SC Freiburg vs. EHC Freiburg. Wer mir die Vereinsbrille vorwerfen mag, hat recht, kann aber auch jetzt das Lesen einstellen. weiterlesen ‘Playoff: Äpfel vs. Birnen’

Gedanken beim Bier (1)

Warum gibt es eigentlich nur für Frauen Rückbildungsgymnastik?

(Dank an Sven S. aus F. für die Anregung)

Top old boys

Das Altern bietet in diesen Tagen wieder Stoff für große Themenabende. Nicht nur, weil bei uns daheim die 40er-Einladungen die zu Hochzeiten abgelöst haben. Am vergangenen Donnerstag stand mit dem „Superpunk„-Konzert eine weitere Auseinandersetzung ins Haus. Diese Band verkörpert DAS Thema eindringlicher als verkaufsoffene Disco-Abende in der Freiburger Markthalle, die Zweithaar- und Treppenlift-Anzeigen in „rtv“ oder ein Erwachen nach vier Maß.

Von den fünf Norddeutschen sind bereits zwei komplett erkahlt und einer ergraut, die Lieder tragen Titel wie „Baby, ich werde alt“ und am Merchandising werden „Top Old Boy„-Shirts verkauft. Umso schöner war’s: Denn Band und Publikum begegneten sich routiniert, die Musik war fein, es wurde dezent getanzt und gescherzelt, gesungen und gezecht, über der Bühne könnte verlässlich das Motto hängen „würdevoll gealtert„.

nikolaus-hohlephp.jpegWomit wir beim eigentlichen Thema wären, meinem heutigen Fundstück aus der „Badischen Zeitung“. Kollege Joey würdigt die neue Nick Cave-Platte, offenbar ein Comeback mit bürgerlichen Vorzeichen, aber das Agentur-Bild dazu schockt: Was trägt Cave, der große heruntergekommene Dandy der Neunziger, am Daumen? Das Kinderpflaster für Erwachsene. Frage an die stilsicheren unter den Sonnhalde-Lesern: Ist das schon der Anfang vom Ende des würdelos Alterns? Oder ist das als ironische Image-Korrektur bei Cave erlaubt? Wann kreuzt Madonna auf dem Tigerenten-Fahrrad durch London? Baby, ich will so nicht alt werden.

Das schreiben die anderen (1)

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Gestern fand unsere Münchner Abschiedsparty statt, noch vor Weihnachten werde ich mitsamt der Familie in die Freiburger Heimat zurückkehren. Die Party stieg in jener wunderschönen Mietlocation in unserer Nachbarschaft, die lustigerweise den Namen „Heimspiel“ trägt. Heute morgen gingen dann ab halb acht die ersten Anrufe ein, Grund war diese Überschrift samt dazugehörigem Artikel aus der heutigen BZ, dessen Erscheinen mich selbst überrascht: „Stühlerücken in der Abteilung für Öffentlichkeit. Der langjährige Pressesprecher des SC Freiburg, Martin Braun, muss gehen — Rudi Raschke kommt aus München“. weiterlesen ‘Das schreiben die anderen (1)’

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