Charles Schumann, Deutschlands berühmtester Barmann und einst Pionier in Sachen hiesiger „American Bars“ hat allen vorgeführt, wie ein guter Drink funktioniert: Keine Obst- und Gemüsehalden, keine Spießchen und Schwertlein als Dekoration; kein Spirituosen-Durcheinander im Glas; keine absurden Eigenkreationen. Mit diesem Konzept kann sich der gute Charles in seiner Bar am Odeonsplatz zurück lehnen und bei jedem Trend die Schwingtür zum Hofgarten auf Durchzug stellen.
Interessante Sachen gab es zuletzt durchaus: In den letzten Jahren wurden sog. „Signature Drinks“ groß, also eine Vorzeige-Kreation des Hauses (im Schumann’s immer noch seine Interpretation des „Whisky Sour“), es wurde mit Kräutern und Herzhaftem gemixt (bisher bei Charles kaum, aber durchaus vorzeigbare Ideen bei den Münchner Kollegen in der „Trinkhalle“), es gab ein Tiki-Revival und es wurden auch schon die ersten Stickstoffnebel als Boten der „Molecular Mixology“ gesichtet, als flüssige Entsprechung zu Ferran Adrias Küche.
Der schlimmste Leberhaken kommt jetzt jedoch aus Sydney: Im dortigen „Zeka’s“ ist vom Riechen bis zum Hören alles in einer wahrhaft Frankenstein’schen Cocktail-Kreation gebündelt. Die Zeichen stehen auf sinnlicher Vollstimulation – Einnebeln, Zwangshören, Rumdieseln und Verdunkeln – vermutlich die schlimmste Garnitur, die je für einen Cocktail erfunden wurde.
Bleibt zu hoffen, dass die „gastronomische Stahlhelmfraktion“ (Begriff wie immer von Wolfgang Abel) den Trend nicht abkupfert und ihr Friteusen-Schnitzel künftig nicht mehr nur mit Tomatenviertel und Salatblattachtel serviert. Sondern noch Wunderkerzen, Schweißnebel und einen schlecht erzählten Witz dazu reicht. Sinnesfreuden pur. Auf die Überschrift im „Badisch schmeckt’s“-Beitrag melde ich jetzt schon Titelschutz an: „Das Ohr riecht mit“.
(Fotos sind Symbolfotos von Martin Reichert/heise.de, danke für den Tipp an Stefan Jäger)


Gestern wurde Deutschlands Obergourmet Wolfram Siebeck 80 Jahre alt und war damit Gegenstand ausführlicher Seite-3-Betrachtungen und Magazin-Seiten, jenes der „Zeit“, wo er wöchentlich predigt, hat ihm sogar die komplette Ausgabe dieser Woche gewidmet. Ich hatte im Winter 2005/06 das Vergnügen, ihn auf seiner Burg bei Mahlberg nahe Ettenheim für ein gut dreistündiges Gespräch zu besuchen, das ich nie vergessen werde. Denn ich bin vermutlich der einzige Mensch, der ausgerechnet bei Siebeck beinahe verhungert wäre.
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