Archiv für März 2008

Dingsda in Basel

hoppschwyz.jpgDas Highend-Stadion namens St.Jakob-Park, das im Volksmund immer noch altertümelnd „Joggeli“ genannt wird, zählt für mich zu den schönsten des Kontinents. Umso erstaunlicher, dass Stimmung dort gestern nur in homöopathischen Dosen verabreicht wurde. Aber es ist müßig, sich über fehlenden Stadionlärm zu beklagen, wenn man selbst nicht viel dazu beigetragen hat. Viel schlimmer waren am Ende die Gespräche, die die beiden Schweizer mit dem Deutschen hinter mir auszutragen hatten.

Ein Beispiel, es läuft bereits die 29. Minute:

- „Das ist gar nicht der Hildebrand“
- „Der Hildebrand ist so ein Blonder, oder?“
- „Ja, ein richtiger Schwabe“ (Pause)
- „Er spielt jedenfalls in Stuttgart“ (weitere 2 Minuten Pause)
- „Oder ist der nach Valencia gegangen?“

Ich war gestern nicht bei der Aufzeichnung einer Kindersendung, sondern beim Länderspiel. Kann man für solche Leute Stadionverbote beantragen? Oder wenigstens Schweigegelübde?

joggeli.jpg

Nach uns die Sintflut

panorama2.jpg

Wenn es eines Tages mal einen alternativen Nobelpreis für die verlogenste Bürgerinitiative der Welt geben wird, dann hat er gute Chancen, nach Freiburg-Herdern zu wandern: Hier sammeln gerade die neuesten Empörungsprofis (Wolfgang Abel) Unterschriften gegen die Bebauung der sogenannten „Pferdewiesen„, die sich ober- und unterhalb der Sonnhalde erstrecken. Fünf Häuser à vier Einheiten will die Stiftungsverwaltung Freiburg dort bauen (Bildmitte links, das grüne Wiesenstück unterhalb der Straße), wenn der Untergang des Abendlandes nicht vorher anbricht. Denn befürchtet wird: weiterlesen ‘Nach uns die Sintflut’

Gedanken beim Bier (1)

Warum gibt es eigentlich nur für Frauen Rückbildungsgymnastik?

(Dank an Sven S. aus F. für die Anregung)

Top old boys

Das Altern bietet in diesen Tagen wieder Stoff für große Themenabende. Nicht nur, weil bei uns daheim die 40er-Einladungen die zu Hochzeiten abgelöst haben. Am vergangenen Donnerstag stand mit dem „Superpunk„-Konzert eine weitere Auseinandersetzung ins Haus. Diese Band verkörpert DAS Thema eindringlicher als verkaufsoffene Disco-Abende in der Freiburger Markthalle, die Zweithaar- und Treppenlift-Anzeigen in „rtv“ oder ein Erwachen nach vier Maß.

Von den fünf Norddeutschen sind bereits zwei komplett erkahlt und einer ergraut, die Lieder tragen Titel wie „Baby, ich werde alt“ und am Merchandising werden „Top Old Boy„-Shirts verkauft. Umso schöner war’s: Denn Band und Publikum begegneten sich routiniert, die Musik war fein, es wurde dezent getanzt und gescherzelt, gesungen und gezecht, über der Bühne könnte verlässlich das Motto hängen „würdevoll gealtert„.

nikolaus-hohlephp.jpegWomit wir beim eigentlichen Thema wären, meinem heutigen Fundstück aus der „Badischen Zeitung“. Kollege Joey würdigt die neue Nick Cave-Platte, offenbar ein Comeback mit bürgerlichen Vorzeichen, aber das Agentur-Bild dazu schockt: Was trägt Cave, der große heruntergekommene Dandy der Neunziger, am Daumen? Das Kinderpflaster für Erwachsene. Frage an die stilsicheren unter den Sonnhalde-Lesern: Ist das schon der Anfang vom Ende des würdelos Alterns? Oder ist das als ironische Image-Korrektur bei Cave erlaubt? Wann kreuzt Madonna auf dem Tigerenten-Fahrrad durch London? Baby, ich will so nicht alt werden.

Worte der Woche

Liebe ist immer auch eine Frage der Uhrzeit und der Beleuchtung.“

(Gabor Steingart, derzeit für den „Spiegel“ in Washington, bereichert die US-Wahlkampfberichterstattung mit rationaler Poesie)

Beamtenfraß

eu-teig.jpg

Wer die Sorgen der EU schon immer etwas unheimlich fand und den Spott darüber mäßig originell, hat ja recht. Heute erreichte mich jedoch in einem Newsletter die neue Verordnung zum Schutz der Marke „Neapolitanische Pizza„. Da kommt man dann schon auf den Gedanken, sich langsam mal um das Logo für „Brüsseler Schwachsinn“ zu bemühen. Die Zusammenfassung liest sich so: weiterlesen ‘Beamtenfraß’