Archiv für November 2007

Verschwörungstheorie des Jahres

Aus einer Online-Diskussion zum Thema Wagenburgen in Freiburg:

Scheinbar müssen sich die Freiburger LokaljournalistInnen wegen der übel recherchierten Artikel mittlerweile hinter Pseudonymen verstecken. Oder glaubt ihr ernsthaft, dass jemand „Toni Nachbar“ (Der Sonntag) oder „Beate Beule“ (Badische Zeitung) heißt?“

Ich glaube, es war kurz nach der Entführung des Lindbergh-Babies und der Fälschung der Mondlandung in einem südbadischen TV-Studio, als sich der Freiburger Redakteur Anton N. für das Pseudonym „Toni Nachbar“ entschied. Unter diesem Namen soll er auch den Schah gestürzt und die Stadt Bielefeld erfunden haben. (Quelle: http://de.indymedia.org, Dank für den nicht mehr ganz frischen, aber todwitzigen Link an Kollege Klaus Mergel* – echter Name ist der Sonnhalde-Redaktion bekannt*)

Lothars Nachwuchsarbeit

Gelesen, gehört, zitiert: Zum Liebesleben von Lothar Matthäus’, 46, war gestern zu lesen

Je älter er wird, desto jünger wird die jeweilige Lebenspartnerin (derzeit 20); spätestens die übernächste wird er wickeln müssen.“

Geschrieben nicht etwa im „11Freunde-Blog“ oder im „Löwen-Forum“, sondern vom Sportchef der „Süddeutschen Zeitung„, Ludger Schulze. Der Coole-Sau-Preis des deutschen Sportjournalismus dürfte ihm diesen Monat nicht mehr zu nehmen sein…

Wirf die Gläser an die Wand

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Nach gemischten Erfahrungen mit dem Abo in Dieter Dorns Residenz ging es gestern mal auf die andere Straßenseite der Cartier- und Kulturmeile Maximilianstraße: Frank Baumbauers Kammerspiele sind als großartiger Jugendstilbau nicht nur das vermutlich schönste Theater Deutschlands, sie lassen auch mit heutigem Jugendstil hin und wieder die Fetzen fliegen, um sich vom Hochkulturtempel gegenüber abzugrenzen. weiterlesen ‘Wirf die Gläser an die Wand’

Überflüssige PR (2)

Um jeden Filmstar schwirren mittlerweile zig Publizisten, Agenten, PR-Leute und eigens für einen Film beauftragte PR-Ladies. Das Ritual ist immer dasselbe: Man plaudert mit dem Star recht angenehm in schönem Interview-Rahmen, knapp zweieinhalb Stunden, das Ganze wird aufgezeichnet, abgetippt, eingedampft und zum Autorisieren geschickt (ein im englischen Sprachraum übrigens unbekannter Brauch) – und dann erzählt Dir eine der PR-Ladies, dass der Michi (*Name geändert) also nein, so was würde der ja nie sagen, das liest sich ja auch so holprig. Soweit wie immer. Am schönsten aber ist es, wenn die Sprachkritikerin selbst keine Zweifel daran lässt, dass sie ihr Metier beherrscht. Aus einer Mail, die uns gestern erreichte:

ich habe nach wie vor keine konkreten Änderungen von xxx bekommen. Er meinte das Interview hört sich für ihn so nicht flüssig genug. Wenn er von seinem neuen Film im Zusammenhang mit der Ansicht durch Tom Auch den xxx (Filmtitel, Anm. RR) nennen. Dann war die Zusammenarbeit mit Tom nicht 10 Monate sondern 10 Wochen. Das ist sicher eher eine Kleinigkeite. Ich glaube, das entscheidene ist, dass es ihm so zu holprig liest…“

(liest sich wie eine dieser am Computer rückübersetzten Betriebsanleitungen oder Hotelprospekte, die jährlich beim „Titanic Translation Poll“ ausgezeichnet werden. Aber das ist sicher eher eine Kleinigkeite…)

Ein Wintermünchen

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Wirt Charles hat recht: Am schönsten ist sein „Schumanns“ nicht, wenn es dort am Vorabend knistert, um Mitternacht brummt oder gegen Feierabend lallt. Sondern am frühen Morgen, wenn man dort allein sein kann. Ein Saft, ein Espresso, eine Zeitung – und sogar der Münchner Winter auf der Ludwigsstraße verliert sein Grau.

„Ich habe einen Traum“

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Quelle: Zeit Leben vom 15.11., ganze Story hier

Mein bescheidener Traum? Dass schlaue Freigeister wie die Regisseurin und Schauspielerin Maria Schrader es irgendwann rausfinden: Deine Zahnbürste kannst Du auf einer Kreditkarten-Weltreise ganz ohne Gepäck wie alles andere auch unterwegs kaufen, Du Träumerle.

Dichtung und Wahrheit auf schwedisch

schwedinnenmobel.jpgIch gehöre nicht zu den Menschen, die IKEA lieben: Dazu gibt es in den Labyrinth-Kilometern viel zu wenig Aufregendes und zuviele Trends, die mit zwei Jahren Verspätung von Habitat rüberkommen. Ikea-Möbel sehen eigentlich nur isoliert, bei Freunden daheim, nett aus. Immerhin. Das Lustigste im Laden sind für mich immer die Namen der Kinder, die zur Abholung ausgerufen werden. weiterlesen ‘Dichtung und Wahrheit auf schwedisch’

Pressefreiheit in Westdeutschland bleibt erhalten

suedschwarzwald.jpgDie meisten werden sich noch an den Fall der „Todtnauer Hütte“ erinnern, der den lieben Kollegen Wolfgang Abel vor Gericht zerren sollte. Dazu wird es jetzt nicht mehr kommen, kurz vor der zweiten Instanz hat sich das Prozessieren gestern erledigt. Hier kommt der Artikel von Stefan Hupka aus der „Badischen Zeitung“ von heute:

„Ostzonal“ bleibt straffrei
Wirt der Todtnauer Hütte zieht Klage gegen Kritiker Abel zurück
FREIBURG (hup). Der monatelange Rechtsstreit zwischen dem Wirt der „Todtnauer Hütte“ am Feldberg und dem Gastrokritiker Wolfgang Abel ist beendet. Wenige Stunden vor der für gestern angesetzten Verhandlung vor dem Landgericht Waldshut-Tiengen zog der Gastwirt seine Klage zurück. Er hatte in einer Buchpassage Abels eine „Schmähkritik“ erblickt und ihn auf Unterlassung, Widerruf und Schadenersatz verklagt. weiterlesen ‘Pressefreiheit in Westdeutschland bleibt erhalten’

Münchner Zwei-Klassen-Gesellschaft

Neulich habe ich den Michael, meinen Büro-Mitinsassen, nach Feierabend im Auto mitgenommen. An der Maximiliansplatz-Ampel ergab sich diese Unterhaltung:

Ich (zum Nebenauto winkend): Die da im Auto neben uns, das ist die A., die bei uns zuhause putzt.
Michael (betrachtet ihren BMW): Die fährt ein dickeres Auto als Du.
Ich: Hab’ keine Ahnung, wie sie sich das leistet.
(kurzes Schweigen, Ampel wird grün, wir fahren weiter)
Michael: Unsere Putzfrau hat sich jetzt ein Haus gebaut.

Unwiderstehliche PR (1)

Aus einer Mail, die ich diese Woche bekam:

Hallo Herr Raschke,
Wir sind die PR Agentur der Marke xxx Herrenrasierer.

Seit September gibt es den neuen xxx Rasierer xxx auf dem Markt und
wir haben die „Unwiderstehlich-Formel“ entwickelt, mit der wir behaupten,
dass gut rasierte Männer, unwiderstehlich sind.

Wir würden Sie sehr gerne treffen, um Ihnen zum einen nochmal kurz den neuen
Rasierer vorzustellen und um mit Ihnen über unsere Formel zu sprechen. Frau
Dr.W., die Attraktivitätsforscherin, die diese Formel entwickelt hat,
wird auch dabei sein. Innerhalb ihrer Doktorarbeit beschäftigte sie sich mit
der Kulturgeschichte des Bartes, weshalb sie einige sehr interessante und
vor allem amüsante Informationen über den Bart bzw. das Rasieren zu erzählen
weiß.

(Bei derartigen Einladungen lädt sich die Agentur übrigens immer ganz unwiderstehlich direkt in Deine Redaktion ein. Schön daran ist nur, dass man es mit einer Bart-Dissertation wenigstens zu etwas PR-Honorar bringt. Das dürfte allen, die gerade übers Zähneputzen promovieren, Mut machen.)

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