Archiv für Oktober 2007

Aua, Dult

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Natürlich müsste sich etwas Freundliches schreiben lassen über die Auer Dult: Der traditionsreiche Rummel rund um den Mariahilfplatz in der Vorstadt Au fand 1796 das erste Mal statt, seit 1905 findet er sich am selben Standort. Es gibt viele liebenswerte Dinge wie historische Karussells und Mini-Riesenräder, zahlreiche Standbetreiber haben schon die 25-Jahres-Ehrung durch die Frau Tourismuschefin hinter sich. Außerdem kann man dort lustige Haushaltsartikel kaufen. weiterlesen ‘Aua, Dult’

Filmtipp: Control

plakat-control.jpgGestern sah ich Anton Corbijns Film „Control“ (Start im Kino: 10. Januar) in einer Pressevorführung. Corbijn ist der Fotograf, von dem jeder diese extrem gesättigten Schwarzweiß-Cover von U2, Grönemeyer, Depeche Mode, aber auch des späten James Last kennt. Gegenstand von „Control“ ist das Leben und Sterben des Joy-Division-Sängers Ian Curtis (1957-1980). Was soll ich sagen: der Film ist so schlicht wie ergreifend, der Regisseur-Fotograf ist nicht der Versuchung erlegen, nur eine Einzelsammlung schöner Motive abzuliefern, sondern hat etwas extrem Anrührendes in schwarzweiß geschaffen. Tieftraurig und wunderschön, Curtis’ berühmtestem Song „Love will tear us apart“ nicht unähnlich. Unbedingt anschauen, zumal er auch einen schönen Eindruck vom 70er Jahre-England und der Pop-Wiege Manchester bietet. Überragend besetzt übrigens mit Sam Riley, der dem Sänger nicht nur ähnlich schaut, sondern auch ständig an den ebenfalls selbstzerstörerischen Pete Doherty erinnert. In einer der weiblichen Hauptrollen gefällt Alexandra Maria Lara, auch die Bandkollegen kommen sehr nah an die Originale.

Aus diesen Kollegen wurde unmittelbar nach dem Freitod von Curtis ja bekanntlich New Order, für mich immer noch eine der wichtigsten Bands Englands. Und deren Fans treffen sich jetzt übrigens auf einer Homepage, die alle Besitzer des „Blue Monday“-Originals feiert. Und weil das Floppy-Disk-Cover von Peter Saville bis heute ein Gestaltungsmeilenstein ist, lassen sich dort Leute in der Landschaft damit abbilden: http://www.bluemondayownersclub.com/

…der hat völlig ausgekichert

Vor einigen Wochen dozierte ich hier über meinen jüngsten Italien-Totalschaden und die Urszene aller Napoli-Crashes, die Allianz-Werbung. Und siehe da, es gibt nichts, was es nicht gibt auf YouTube. Dank an die Kollegen von fudder.de für die Ausgrabung:

http://youtube.com/watch?v=TgrhOUF4scQ

Captain Kirk-Journalismus

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Das ist die BMW-Welt, die diese Woche eröffnet wurde (Bild: bmw-welt.com). Schon beim Bau war klar, dass keine drei Artikel vergehen werden, bis der erste Vergleich mit einem Raumschiff gelandet wird. Hier kommt er, Überschrift: „Von einem anderen Stern“, der letzte Satz des Mottos laútet: „Ein exklusiver Besuch im Münchner Raumschiff“. Geschrieben hat den etwa fünfzigtausendsten Vergleich eines Neubaus mit einem Ufo mein Kollege Jörn Kengelbach von „GQ“.

Ich gebe zu, dass mir in der Vergangenheit auch die eine oder andere Stadion-Raumkapsel-Vergleicherei unterlaufen sein könnte, schwöre aber hiermit ein für allemal der NASA-Architekturberichterstattung ab. Erstens, weil es nunmal keine 180 Meter langen Raumschiffe gibt, die mehrere tausend Tonnen wiegen wie die BMW-Welt. Zweitens, weil es gestern selbst Holger Gertz getan hat, einer der besten Reportagen-Schreiber der Republik. In der „SZ“ lese ich: „Die Bühne, die Oliver Pocher beim Deutschen Fernsehpreis zu bespielen hat, sieht aus wie die Kommandozentrale eines Riesenraumschiffs.“ Hilfe!

Vielleicht steckt ja eine literaturpsychologisch bisher unbehandelte Weltallsehnsucht großer Jungs dahinter. Hier ist meine Google-Top Ten der fantasievollsten „Wie ein Raumschiff“-Vergleiche:

1. Der Hamburger Sportpark („Hamburger Abendblatt“)
2. Honda Civic („Augsburger Allgemeine“)
3. Design-Hotels in Nassfeld („Manager Magazin“)
4. Das neue Spiegel-Hauptstadtbüro („Frankfurter Allgemeine“)
5. Das geplante Riesenrad in Berlin („Die Welt“)
6. Die EU in Brüssel („BR-online“)
7. Der Nissan Mixim („Financial Times Deutschland“)
8. Der Epilierer Philips Satin Ice 6435 („www.dooyoo.de“)
9. Nochmal der Honda Civic („Süddeutsche Zeitung“)
10. Das Berliner Velodrom („NZZ Folio“)

Journalismus kann manchmal außerirdisch sein.

Neue Formen des Breisgau-Widerstands

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(gesehen im aktuellen „Badenintern“, hoffe, die Bildunterschrift ist lesbar)

Ab sofort in Freiburg zu erleben: Der Demo-Dresscode – im Smoking für Radio Dreyeckland, im Frack gegen City-Fahrradverbote, „wear black or apricot“ für den Erhalt von Tanztheater, Volxküche oder Selbstverwaltetem. Jedenfalls bringt das Tod-auf-dem-Nil-Motto gegen den Freiflächenfraß (siehe oben) endlich Stil auf die Schlierberg-Barrikaden. Das Politische ist nicht mehr das Alltägliche, sondern das Festliche. Und letztlich kann man trotz des Endes aller Utopien festhalten: Die Revolution ist im Anzug.

Voll auf die Messe

Das war die Frankfurter Buchmesse:

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1. Der Kapitalismus lebt
„Wissen Sie, das ist freie Marktwirtschaft, wir leben im Kapitalismus“ klugscheißt der Hotel-Rezeptionist, als ich beim Auschecken laut werde. Das Zimmer kostet 260,- Euro für eine Nacht (gebucht wie immer per hrs.de) und weil es vor Ort unfassbar billig aussah, hatte ich zwischendurch den wahren Preis auf der Homepage gecheckt: Normal ab 49,- Euro! Selbst schuld? Nun, bei einem 500prozentigen Aufschlag übermannt selbst den dickzigarrigsten Kapitalisten das schlechte Gewissen. Deshalb fand jeder Gast ein Schiffchen mit einer Überdosis Käse- und Butterecken auf dem Frühstückstisch – ich hatte 46 Philadelphias, Krafts und Meggles. Aber weil wir in einer freien Marktwirtschaft leben, darf ich alle künftigen Frankfurt-Übernachter hiermit ausdrücklich warnen: Wenn Ihr am Main seid, dann umfahrt das Hotel „Royal“ in Sachsenhausen großräumig. Wer zur Buchmesse den fünffach-Preis nimmt, ist auch im Rest des Jahres kein guter Mensch und Hotelier. Schön, dass man das im Kapitalismus frei äußern darf. weiterlesen ‘Voll auf die Messe’

Ende des Ausnahmezustands

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Als ich diesen Samstagnachmittag die Wiesn zum letzten Mal verlassen habe – keine Angst, ich war zwischendurch auch mal daheim – stand das Blätterleuchten am Bavariaring deutlich auf Herbst. Seit dem letzten Eintrag hier ist Stoiber wirklich zurückgetreten, der SC war Tabellenführer und die FAZ hat ein neues Layout. Manches davon hätte man nicht vor 2020 erwartet. Ich versuche, dem Rechnung zu tragen und das Blog noch vor dem Aufbruch zur Buchmesse zu aktualisieren. Demnächst gibt’s mehr und auch für den Rest des Herbstes gilt der alte Marienhof-Hauer: Es wird viel passiern…