Archiv für Juli 2007

Neulich, im Bayrischen Staatsschauspiel

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Samstagabend war Abo-Finale im Residenztheater und ich muss mich langsam über mich selbst wundern, wie sehr ich mich als regelmäßiger Theatergänger von der Institution Schauspielbühne entfremdet habe. Zum wiederholten Male saß ich da unter dem unfassbar hässlichen 80er-Jahre-Fresko und kämpfte in der ersten halben Stunde mit dem Zusammenzucken-Schlaf. Es ist verdammt schwer, sich einen drei-Stunden-Abend vorzustellen, wenn man schon das erste Sechstel so verbringt. weiterlesen ‘Neulich, im Bayrischen Staatsschauspiel’

Die schönste Stadt der Welt

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Wenn es Los Angeles zu bereisen gilt, mag ich nicht absagen: Als überzeugter Pro-Amerikaner freue ich mich ohnehin wie Klinsmän, wenn ich in die USA fliegen darf. Und wenn es dann noch nach L.A. geht, ist das für mich schöner als ein Flug nach New York – L.A. ist wie Manhattan mit Barcelona drangehängt, wenn die schräge Gleichung gestattet ist.

Meine Leidenschaft für diese Stadt verdanke ich allen Widersprüchen, die sie auszeichnen: Strand und Smog, Landschaft und Häusermeer, Zukunftsmetropole und Traditionsort. Ich finde sie als Soziologe so spannend wie als Glamour- und Architekturfan. Nur leider bin ich inmitten dieser ständig in Umwälzung befindlichen Megacity so traditionalistisch wie ein Weißwurstfreund vorm 12-Uhr-Läuten: Ich halte mich an ein paar Ritualen fest, es sind Orte, die ich immer wieder aufsuche. Ein paar Highlights aus 48 Stunden L.A. am Wochenanfang (ein, zwei neue Adressen sind immerhin dazugekommen seit dem letzten Mal): weiterlesen ‘Die schönste Stadt der Welt’

Freibad-Lektüre forever

Wenn es um die wichtigen Veröffentlichungen des gestrigen Tages geht, bleibt der kleine britische Zauberlehrling außen vor. Angesichts des Harry-Potter-Irrsinns in Flughafen-Lounges und ICEs halte ich es mit dem Autor Sascha Lehnartz: Wenn das so weiter geht, dann werden in der Business Class wohl bald Buntstifte ausgegeben.

367373.jpgDie wirklich wahre Lektüre für großgewordene Kinder ist das Kicker-Sonderheft. Trotz laufend neuer Quatsch-Innovationen in den vergangenen Jahren (Hologramm-Cover, Phrasen-DVD mit Chefredakteur Holzschuh, diesmal: „36 Seiten: Die Visitenkarten der Stars“) steht es über jeder Kritik – wir Männer kaufen es, weil wir müssen. Weil es uns an unzählige Freibad-Nachmittage erinnert, in denen wir die hässlichsten Kicker der Liga aus den 36 Teamfotos ausgewählt haben. Weil wir jahrelang bis in die WG-Zeit versucht haben, die Stecktabelle mal eine Saison lang ernsthaft durchzuziehen. Und weil es anstelle all der Eurosport-Freundschaftsspiele, Ligacups und Blitzturniere der verlässlichste Vorbote der neuen Saison ist. weiterlesen ‘Freibad-Lektüre forever’

Endlich! Ferien!

Manchmal schreibt der Kalender die schönsten Titelzeilen. Hier meine Vanity-Fair-Coverprognose für den Rest des Jahres:

cover.jpgHURRA! HERBSTANFANG! (Ausgabe von Mittwoch, 19.9.)
ENDLICH! EINHEITSTAG! (3.10.)
ALTER! ALLERHEILIGEN! (31.10.)
BUSSI! BETTAG! (21.11., nur evangelische Kioske)
HEY! HEILIGABEND! (19.12.)
SERVUS! SILVESTER! (26.12.)

Energisch reisen

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„Kannst Du Dir vorstellen, dass der irgendein anderes Auto in seine Garage lässt als einen Hummer?“ brüllt mir Kollege Martin Trockner ins Ohr, während James Hetfield von Metallica gerade „Nothing else matters“ singt. Natürlich fährt der Rocker mit dem Zwergenbart keinen Smart, trotzdem darf er wie wir aufs globale Stromsparer-Treffen „Live Earth“ im Wembley-Stadion zu London. Weil: da muss man helfen, keine Frage. weiterlesen ‘Energisch reisen’

Glückliches Österreich

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Donnerstag und Freitag war ich im Burgenland unterwegs und ich mag nicht aufhören, die Region zu preisen: Eine landschaftlich begünstigte Gegend, deren Zentrum der Neusiedler See, ein bis Ungarn hinein ragender Steppensee, ist. Es gibt hier Kleinstgemeinden mit Sterneküche, die überraschende Herzlichkeit ausstrahlt; aber auch wahre Lokale, die Namen wie „Zur Dankbarkeit“ tragen und ebensolche verdienen. weiterlesen ‘Glückliches Österreich’

Falling down mit Klaus Zumwinkel

Anders als eingefleischte Bahn-Hasser und fanatische Telekom-Gegner bin ich davon überzeugt: Die „Deutsche Post“ ist das mit Abstand räudigste der drei ehemaligen Staats-Unternehmen. Sie ist mittlerweile in einem Stadium des Kundenhasses angekommen, das nicht mehr steigerungsfähig ist, ein Beispiel: Ich verdiene mein Geld im Arabellapark, einer Büroanlage mit angeschlossener Schlafstadt. Der Mittag ist die einzige Tageszeit, in der die Gegend brummt. Schließzeiten der dortigen Post-Filiale: täglich 12.30 bis 15.00. Irgendwelche Fragen?

Am gestrigen Samstagnachmittag brachte ich der Post neues Vertrauen entgegen – die zentrale Münchner Cityfiliale zwischen Sport-Scheck und Kaufinger Straße muss doch so etwas wie ladenähnliche Öffnungszeiten aufweisen, die Immobilie dürfte auch nicht ganz preiswert sein. Das Gitter und der Öffnungsaushang lachten mich aus, als ich um 15 Uhr dort auflief. Seit zweieinhalb Stunden war das gelbe Elend bereits dicht. Am einzigen Briefmarken-Automat des Hauses leuchtete eine Anzeige, dass nicht mit Bargeld gezahlt werden kann.

Ich gestehe: Zum ersten Mal in meinem Leben wünschte ich mir am Samstag, eine obskure Kickbox-Spielart zu beherrschen, um den Gerätschaften der Post die Lichter auszutreten. Ich belasse es stattdessen bei dieser kleinen verbalen Ausfälligkeit. Zu meiner Linken liegt gerade eine achtseitige Sonderbeilage der Post aus der „Zeit“: „Lebensnah – Zuverlässig – Überall“ steht auf dem Titel. Sie nennen es Service.