Diesen Donnerstag erscheint das Magazin „11 Freunde“ mit einem recht heftigen Freiburg-Cover: „Monster oder Messias?“ lautet die reißerische Frage neben einem großen SCF-Report aus dem Rosenkriegsgebiet. Die Titelgeschichte erhält Details, die Freiburger selbst über ihren Verein nicht wussten, einige kleine Fehler und insgesamt ein Credo, bei dem ich mir sicher schien: Der Ex-Trainer hat den Kollegen Tim Jürgens drei Stunden lang mit Dauerwerbung eingeseift. Einen Lektüredurchgang später sah ich es schon anders, rief aber meinen ehemaligen Kollegen Tim (bitte keine Verschwörungstheorien an dieser Stelle) an – tatsächlich war sein Talk mit dem Ex-Trainer wohl einer der kürzesten der mehrtägigen Breisgau-Recherche. Auch wenn Tims Reportage-Erkenntnisse größtenteils nicht meine Meinung sind, finde ich seine Aufarbeitung und den Außenblick lesenswert und empfehle hiermit die Lektüre. Außerdem gibt’s wohl ebenfalls ab Donnerstag ein Interview mit Robin Dutt auf www.11freunde.de
Archiv für Juni 2007
So oder ähnlich würde es Sat1, Erfinder des „Filmfilms“ wohl nennen, was ich gerade erlebe: Täglich zwei Filmfest-Vorführungen, dazu noch Presse-Screenings von Verleihern, die ihre Termine draufsatteln – weil gerade soviele Kinobetreiber und auswärtige Journalisten in München sind. Zur Stunde schwänze ich Werner Herzogs „Rescue Dawn“, deshalb kurz die wichtigsten Erlebnisse: weiterlesen ‘Der Filmfilmfilmfilm’
Kleinod, blümerant, Dreikäsehoch – das waren die drei Erstplatzierten, als im Juni eine Jury von Feingeistern das „schönste bedrohte Wort“ kürte. Auf den folgenden Plätzen fanden sich Labsal, Augenstern, Lichtspielhaus, fernmündlich und bauchpinseln. Man kann sich leicht vorstellen, wie Max Goldt – von Wiglaf Droste einmal als „Erfinder der Tanzlehrerprosa“ eher nicht gebauchpinselt – aus den zehn Erstplatzierten einen luftigen Satz klöppelt. Sollte allerdings auch mal noch der „schönste bedrohte Satz“ ausgelobt werden, wäre dieser hier preiswürdig, der mir heute in der „Badischen Zeitung“ ins Auge geriet:
400 Kiebitze säumten das Rasenrechteck“
(Anlass war der örtliche Trainingsauftakt. Nicht 1927, sondern gestern.)
Monocle, die Zeitschrift des kanadischen Stilgotts Tyler Brûlé, ist so etwas wie ein aufregender „Economist“ oder ein lesbares „Wallpaper“. Jetzt haben sie dort München zur lebenswertesten Stadt der Welt gewählt, ein Ranking, das natürlich alle todernst nehmen (von „Bild“ bis „International Herald Tribune„). Wäre München Letzter geworden hinter Lagos, Caracas und Braunschweig, die Liste wäre mit genau dem gleichen Eifer für nichtig erklärt worden, so funktioniert das bei jedem Ranking. Ich frage mich: Habe ich ein lebenswertes Wochenende hinter mir, das es mit London, Kopenhagen und New York aufnehmen kann? weiterlesen ‘München im Lebenswert-Test’
Gestern fand ein, nun ja, bizarrer Gerichtstermin statt, in dem der Betreiber der Todtnauer Hütte am Feldberg den geschätzten Autor Wolfgang Abel vor Gericht zerrte: Grund war eine Buch-Besprechung, in dem Abel seinen „ostzonalen“ Tonfall hinterm Tresen beim Namen nennt, auch ansonsten seine Leser aufrichtig informiert und leider den falschen Ruhetag nennt. Dafür soll er jetzt Schadenersatz zahlen… (Das Thema findet sich heute bundesweit im Panorama der „Süddeutschen“). weiterlesen ‘Friede den Hütten, Krieg den Autoren’
Nach Norden hin war Basel während der „Art“ bis ins 37 Kilometer entfernte Badenweiler ausgebucht, also bin ich in der alten Heimat abgestiegen, auf den Höhen des Horbener Sattels im Süden Freiburgs. Was soll ich sagen? Es war wieder wie bei allen Hotelaufenthalten im Breisgau – obwohl Millionen Touristen jedes Jahr hinfahren, findet man hier nahezu kein Zimmer, das nach 1990 noch renoviert wurde. Manchmal hat man den Eindruck, in einem 90er-Jahre-Jugendbett zu schlafen (mit neckischer Holzraute überm Bettende), diesmal, in der „Luisenhöhe“, war es eher ein Stück falsch verstandene Schwarzwald-Gemütlichkeit unter der Brokat-Tagesdecke. weiterlesen ‘Luisenhöhe (und -tiefen)’
Bis gestern wurde in Basel die „Art“ gegeben, als Messe so etwas wie „die Olympischen Spiele der Kunst“ (New York Times). Ich habe mich am Mittwoch und Donnerstag vergangener Woche dort umgeschaut. Da ich es immer etwas verwegen finde, wenn das Feuilleton aus drei, vier Bildbetrachtungen DIE Trends der Kunstwelt zusammentackert, gebe ich nur ein paar Beobachtungen, Lerneffekte und Thesen wieder, ohne Anspruch auf Vollständigkeit und letzte Wahrheiten: weiterlesen ‘Heilige Messe’
Gelesen, gehört, zitiert: Unter der Überschrift „Molekulare Waschlappen“ fasst Wolfgang Abel die Hypes um den spanischen Küchen-Luftikus Ferran Adria und seinen documenta-Auftritt in Kassel gewohnt brilliant zusammen. Der ganze Text erschien im Magazin der „Badischen Zeitung“:
Damit ist die Sache freilich nicht erledigt, schließlich markiert Adrià nur die Spitze einer bizarren Überkulinarisierung des öffentlichen Lebens. Schon seit Jahren zischt und brodelt es auf allen Kanälen, wer keine Meinung zum Niedrigtemperaturgaren und Hochgeschwindigkeits-fritieren hat, gilt mittlerweile als zungenblinder Sonderling. Einem kulinarischen Arschgeweih gleich, hat sich die Debatte über Meersalzkörnung und Jahrgangsessig bis in feinste Nichtigkeiten verästelt.“
Nachtrag, 15.6.: Inzwischen steht übrigens fest, worin Adrias documenta-Beitrag besteht: Natürlich wird er nicht 100 Tage in Kassel anwesend sein, wie die anderen Künstler, sondern täglich zwei Kunst-Besuchern einen seiner raren Plätze in seinem 1500 Kilometer entfernten spanischen Restaurant reservieren. Aus der rauf- und runterbesprochenen documenta-Teilnahme ist also ein Gewinnspiel für Selbstzahler geworden. Wer das neppig findet, kann sich mit der Erklärung des documenta-Chefs Roger M. Buergel trösten, die ebenfalls ein wenig nach Haustür-Trickbetrug klingt. Aber nur ein wenig: Er verstehe die Frustration der Besucher (sagt Buergel in der „Welt“, Anm. RR) «aber Frustration ist der unverzichtbare Bestandteil von Bildung»
Die Gemeinde Utting hält ihren „Strandbad-Biergarten“ am Ammersee eher geheim: Der Rasen des Freibads mit Badeanstalt-Charme ist an Sonntagen ohnehin dicht belegt mit Handtüchern – obwohl kein Hinweisschild von der Landstraße Richtung Dießen hinführt und nur in der Nähe parken kann, wer drei „Nur Anlieger“-Schilder und zwei panische „letzte Wendemöglichkeiten“ vor der Haustür ignoriert.
Innen ist alles bereit, die Besucher an glückliche Kindheits-Sommer zu erinnern: ein hölzerner Zehner-Sprungturm, Kabinen mit Spinnhudeln unterm Giebel, vereinzelt Blumenkästen in Fensterrahmen und zwei riesige alte Schattenspender inmitten der Wiese. Dazu kaltes Seewasser, das nach Abtauchen schreit.
Dass dies alles kein gottvergessenes 70er Jahre-Idyll ist, sondern ein sorgsam gepflegtes Reservat im verwöhnten Münchner Süden, deutet die Biergarten-Karte an, die auf Bärlauchpesto und portugiesischen Wein nicht verzichten kann. Aber selbst weißbiertrinkende Männer auf der Bank plagen hier ganz andere Sorgen als in München-Sendling: Im Strandbad Utting drehen sich die Gespräche von Arbeitnehmern nicht um Geldnot oder Kreuzschmerzen, sondern können wie folgt belauscht werden: „Bei mir ist es auch schrecklich: Wenn ich um sechs Uhr morgens nicht im Stall bin, komme ich überhaupt nicht mehr zum Reiten.“ Glücklicher Ammersee.
…wachten wir alle vor einem Jahr auf. Und weil zur WM wirklich alles gesagt ist, schwelge ich in den Bildern, die ich damals beim Eröffnungsspiel geschossen habe.
(Wer doch unbedingt etwas dazu lesen mag, kann meine teenagerhafte Begeisterung vom Eröffnungsspiel hier nachlesen – das WM-Tagebuch bei den Online-Halbgöttern von fudder.de markierte zugleich meine ersten Gehversuche in der Blog-Welt.)











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