
Unsere Heimatstadt schickt sich tatsächlich an, europäische Kulturhauptstadt 2020 werden zu wollen. Kampagnenchef ist Szene-Faktotum Atai Keller, als OK-Chef künftig der Beckenbauer der Bächle. Letzterer wollte einst das Olympiastadion notfalls von Terroristen beseitigen lassen, um an einen Arena-Neubau und sein Event, die WM, zu kommen. Und das Oly ist nicht eben hässlich. Was das mit Freiburg als Kulturhauptstadt zu tun hat? Nun, auch Atai Keller könnte ein paar Abrissbirnen losschicken, um Vorzeigbares für sein Kultur-Highlight zu schaffen - gerade in jüngster Zeit mauert die Stadt ambitionsfreie Bauten von erlesener Hässlichkeit. Praktisch kein namhafter überregionaler Architekt hat zuletzt hier gebaut. Es klingt ungemütlich für die Schöngeister-Stadt, aber an zentralen Orten schaut Freiburg nicht wie der Nabel der Welt aus, sondern wie der Hintern. Ein paar Beweise will ich in dieser Serie sammeln, los geht’s mit einem besonders scheußlichen Verbrechen, dem sogenannten Komturm.
Weil nicht etwa in New York, sondern in Freiburg alles möglich zu sein scheint, gibt es dieses Foto. Es zeigt das Dienstfahrzeug vom Friseur “D’Scher” im Rennweg. Beim Crossover aus Badischem Handwerk und exotisch-erotischem Welttanz darf man sich künftig nicht nur auf oben genannten ”D’Säg”, sondern vermutlich auch auf die Tango-Bäckerei “S’Nudelholz” freuen. Nur eine ernst gemeinte Frage an die Leser sei gestattet - wenn Ihr Anhänger der akademischen Tanzbalz seid, dann beantwortet sie kurz: Was macht der Salsa-Friseur?
a.) Er frisiert für Salsa-Events
b.) Er tanzt um die Kundschaft herum
(Nebenbei: Bisschen komisch, nach zwei Monaten wieder einmal zu bloggen, komme mir vor wie ein Mann, der vom mal-eben-Zigaretten-holen wieder zurück gekommen ist. Demnächst wieder mehr, Grüße an alle! Ach ja: Weitere Antworten zu Fragen der Friseur-Namenskunde nebst neuesten Beispielen gibt’s wie immer beim Kollegen Kitzler: http://nervenkitzler.twoday.net/topics/Friseurnamen)Vier Wochen, nachdem ich bei “Superpunk” im Freiburger “Waldsee” meinen Frieden mit dem Altwerden geschlossen habe, bin ich bei “Tele” gestern ebendort in den Jungbrunnen gefallen. Die Band aus Berlin mit den südbadischen Wurzeln hat gestern eine derart gute Laune in den Saal gezaubert, dass man Busladungen voller Frustzauseln zu ihren Konzerten karren möchte, am besten krankenkassenunterstützt.
Was war los? Francesco Wilking, einer der wenigen Charismatiker, die unser Landstrich hervorgebracht hat, plauderte, scherzte und rockte durch einen Konzertabend, der nach vorne ging. “Dieses Lied ist nicht gegen Freiburg, es ist bloß zu schnell für Freiburg” erklärte er einen der vielen Songs, die so neu waren, dass keiner mitsingen konnte - sie werden erst im Mai für die neue Platte aufgenommen. Vor allem die Intros waren unfassbar funky, man musste hin und wieder an “International Pony” denken und es schaut so aus, als würden die neuen Titel die etwas schwache “Wir brauchen nichts” vergessen machen.
Bei “Falschrum” stießen gutgelaunte und -aussehende Mädchen über den Köpfen ihrer Mitbesucher die Beck’s-Flaschen zusammen, bei “Wenn Du gehst” wurde gehüpft und bei “Wovon sollen wir leben?” war ich wie eh und je gerührt - bei dem Song werde ich ewig an die französischen Serpentinen denken, in denen dieses Lied im Sommer 2004 kurvein, kurvaus im Audi lief; es war unser erster großer Urlaub mit Kind und die Frage des Titels traf unseren Nerv.
Schönste Zeilen des Abends waren dann auch die alten Zitate, die in textsicherer Runde mitgesungen wurden. Einziger Grund, warum das Konzert nicht an das im Münchner Atomic Café (Fotos unten) im Frühjahr 2005 rankommt - damals hatten sie ein unvergessen schönes Best-of-Programm auf der Setlist: “Nownownow”, “Vielleicht”, “Lang geht das nie” und noch zwei andere meiner Tele-Top5. Und wer jetzt denkt, dass hier eine Band vielleicht etwas zuviel Lob abkriegt: nichts davon ist übertrieben, wer die glücklichen Gesichter um sich herum gestern gesehen hat, weiß was ich meine.
(diese zwei Bilder: Tom Höhne), Homepage: www.telemusic.de
Es gibt nur wenig Urbaneres als eingerüstete Kirchtürme, Straßenbahnen, historische Stadttore, einsame City-Hochhäuser und falsche Apostrophen - ums Haar hätte ich mir vergangene Woche bei “klick”-Fotoland das T-Shirt vom Leib gerissen und gegen diesen Prototypen getauscht, der für die grenzenlosen Möglichkeiten der Drucktechnik wirbt.
Am Dienstag bin ich fremd gegangen: Mein Besuch beim siebten Playoff-Match des EHC war der erste seit fünf Jahren, davor war ich einmal als Eventfan in Schwenningen dabei und davor wiederum bei Spielen, als der Club noch ERC hieß und die Spieler Laycock und Heatley. Die Rede ist von Eishockey und meine Vorurteile bzgl. dieser Sportart reichen von hier bis Toronto: Zu unseriös, zu anstrengend ohne dreifach-Zeitlupe, zu ungebildet, zu brutal, zu viel Tor-Inflation, zu doofe Regeln. Zeit für eine Überprüfung und einen Vergleich – SC Freiburg vs. EHC Freiburg. Wer mir die Vereinsbrille vorwerfen mag, hat recht, kann aber auch jetzt das Lesen einstellen. weiterlesen ‘Playoff: Äpfel vs. Birnen’
Das Highend-Stadion namens St.Jakob-Park, das im Volksmund immer noch altertümelnd “Joggeli” genannt wird, zählt für mich zu den schönsten des Kontinents. Umso erstaunlicher, dass Stimmung dort gestern nur in homöopathischen Dosen verabreicht wurde. Aber es ist müßig, sich über fehlenden Stadionlärm zu beklagen, wenn man selbst nicht viel dazu beigetragen hat. Viel schlimmer waren am Ende die Gespräche, die die beiden Schweizer mit dem Deutschen hinter mir auszutragen hatten.
Ein Beispiel, es läuft bereits die 29. Minute:
- “Das ist gar nicht der Hildebrand”
- “Der Hildebrand ist so ein Blonder, oder?”
- “Ja, ein richtiger Schwabe” (Pause)
- “Er spielt jedenfalls in Stuttgart” (weitere 2 Minuten Pause)
- “Oder ist der nach Valencia gegangen?”
Ich war gestern nicht bei der Aufzeichnung einer Kindersendung, sondern beim Länderspiel. Kann man für solche Leute Stadionverbote beantragen? Oder wenigstens Schweigegelübde?
Wenn es eines Tages mal einen alternativen Nobelpreis für die verlogenste Bürgerinitiative der Welt geben wird, dann hat er gute Chancen, nach Freiburg-Herdern zu wandern: Hier sammeln gerade die neuesten Empörungsprofis (Wolfgang Abel) Unterschriften gegen die Bebauung der sogenannten “Pferdewiesen“, die sich ober- und unterhalb der Sonnhalde erstrecken. Fünf Häuser à vier Einheiten will die Stiftungsverwaltung Freiburg dort bauen (Bildmitte links, das grüne Wiesenstück unterhalb der Straße), wenn der Untergang des Abendlandes nicht vorher anbricht. Denn befürchtet wird: weiterlesen ‘Nach uns die Sintflut’
Warum gibt es eigentlich nur für Frauen Rückbildungsgymnastik?
(Dank an Sven S. aus F. für die Anregung)
Das Altern bietet in diesen Tagen wieder Stoff für große Themenabende. Nicht nur, weil bei uns daheim die 40er-Einladungen die zu Hochzeiten abgelöst haben. Am vergangenen Donnerstag stand mit dem “Superpunk“-Konzert eine weitere Auseinandersetzung ins Haus. Diese Band verkörpert DAS Thema eindringlicher als verkaufsoffene Disco-Abende in der Freiburger Markthalle, die Zweithaar- und Treppenlift-Anzeigen in “rtv” oder ein Erwachen nach vier Maß.
Von den fünf Norddeutschen sind bereits zwei komplett erkahlt und einer ergraut, die Lieder tragen Titel wie “Baby, ich werde alt” und am Merchandising werden “Top Old Boy“-Shirts verkauft. Umso schöner war’s: Denn Band und Publikum begegneten sich routiniert, die Musik war fein, es wurde dezent getanzt und gescherzelt, gesungen und gezecht, über der Bühne könnte verlässlich das Motto hängen “würdevoll gealtert“.
Womit wir beim eigentlichen Thema wären, meinem heutigen Fundstück aus der “Badischen Zeitung”. Kollege Joey würdigt die neue Nick Cave-Platte, offenbar ein Comeback mit bürgerlichen Vorzeichen, aber das Agentur-Bild dazu schockt: Was trägt Cave, der große heruntergekommene Dandy der Neunziger, am Daumen? Das Kinderpflaster für Erwachsene. Frage an die stilsicheren unter den Sonnhalde-Lesern: Ist das schon der Anfang vom Ende des würdelos Alterns? Oder ist das als ironische Image-Korrektur bei Cave erlaubt? Wann kreuzt Madonna auf dem Tigerenten-Fahrrad durch London? Baby, ich will so nicht alt werden.








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